Man hat euch angesehen: Ihr seid nichts, weniger als nichts. Ihr seid fettbäuchige NPD-Ratten, ob mit Jura-Studium oder nicht, ihr seid vollgepiercte Hohenschönhausenerinnen mit „Masterrace“-T-Shirt, ihr seid gelb-schwarze oder schwarz-weiß-rote Froschprofilbildchen, die sich gegenseitig wie verlauste Affen die Haare häkeln oder Kaiser-Wilhelm-Memes aufs Hintertürchen kleben. Boomer, Schwätzer, Schulhofversager. Deutsche Rechte haben noch weniger Kultur als deutsche Linke, linke Deutsche sind rechter als rechte Deutsche. Packt ein, ihr könnt es nicht! – von Raoul Versile
Was erwartet man von einer Kultur? Unterhaltung, Stärke, Dominanz, Freiheit? Was gibt es davon? Nichts. Wandert man durch die Bundesrepublik des Spektakels, möchte man die Wände und die Menschen ankotzen, um wenigstens etwas Kunst zu finden, wenigstens den muffigen Hauch von etwas Interessantem. Stattdessen ist jede noch wie hochwertige Stadt der Deutschen – Berlin, Hamburg, München, Köln, … – nach dem Vorbild der Innenstadt von Hannover umgebaut, zwischen TK Maxx und Douglas-Filiale, wo Decathlon noch das Beste ist, was einem Menschen passieren kann, denn selbst die Kunsthallen sehen so aus wie die „walkable cities“ zwischen Frankfurt/Oder und Saarbrücken.
Mittendrin: Ein Ständchen von der AfD, ein vom Hermannsdenkmal geklopapiertes Spruchbanner – man will ihnen zurufen: Runter vom Rasen, das ist Privatbesitz! –, das so einfältig und unkreativ formuliert ist, es hätte in jeder x-beliebigen Kanakengesamtschule kaum zum Deckblatt einer Neuntklässler-Keynote gereicht. Rechte haben nichts zu bieten, wenn es um Kultur geht, Linke haben alles! Ihre Gedanken sind freier, ihr Herz ist lebendiger, ihr Hass ist echter, ihr Sexleben ist aufregender, sogar ihre Klamotten sitzen besser. Jede Straight-Edge-Hardcore-Show fickt Björn Banane in die Fresse. Jeder Dannenröder-Forst-Aktivist trägt coolere Klamotten als diese runtergekommenen Chinohosen-Schwuchteln, die sich bei irgendwelchen Wanderausflügen gegenseitig die Fahnenstange bearbeiten. Ihr habt keine Musik, kein Leben, eure Weiber sehen aus wie Männer, eure Männer wie Weiber!
Und dann schaue sich einer auf X um: Kleine degenerierte Gamerkinder – wenn sie von Gaming jemals mehr verstehen sollten als ein x-beliebiger deutscher Reddit-Spastiker –, Pseudoathleten und Pseudopoeten, Geschichtsversteher und randständige Ex- und Noch-Neonazis zeigen mit den verknöcherten Fingerchen auf die dicke Ikkimel und stottern dabei irgendwelche Spengler-Fragmente in ihre 127 Follower. Versteht ihr es nicht? Ihr habt politische Hegemonie, keine kulturelle. Jede Berliner Studentinnen-Hippie-Titte kann im Alleingang eure ganze Welt zerstören. Kein Mensch liebt euch und ihr seid jeglicher Transzendenz unfähig, um es zu kompensieren.
Außerdem: Rechts fickt nicht. Sie schaffen hierzulande seit 2016, was nicht mal die amerikanische Rechte mit ihrem gottlosen Puritanismus geschafft hat: Alle negativen Komponenten des Homosexuellen auf sich zu vereinen, alle positiven zu verpassen. „Rechtstwitter“ – der homoerotische Beiklang ist Teil des Symptoms –: grenzenloses gegenseitiges politisches Befummeln, Burgfrieden eines Darkrooms auf der einen, zickenhaftes Rumgebitche und Eitelkeiten eines Tuntenhauses auf der anderen Seite. Demgegenüber fällt alles sexuell Progressive, alles Hedonistische, jede erotische Verbindung von Modernem und Konservativem hinten runter.
Linke: nicht stark. Rechte: schwach. Beides vom selben Abiball gefallen. Jeder Metallbauer hat mehr drauf als diese Wurmlappen. Aber: Links kann wenigstens Party. Rechts kann geradeso Parteitag. Was ist erwartbar? Abtrünnige. Jeder, der halbwegs etwas auf sich hält, muss Chaos und Kultur selber in die Hände nehmen, zelebrieren, Waldgang, aber dort ist mindestens illegaler Rave, besser noch: Anti-Corona-Liedermacher werden auf der Lichtung erschossen und verscharrt.
Ihr habt gedacht, beim Kulturkampf wäre es um Kultur gegangen, dabei ging es um nichts anderes als Macht. Jetzt steht ihr da, und wisst mit dem Ergebnis nichts anzufangen. Und die Gegner warten schon, rotten sich neu zusammen, die nonbinäre Stadtguerilla zieht sich mit Menstruationsblut und verwischtem Eyeliner Camouflagestreifen übers Gesicht, um euch von hinten die Kehlen durchzuschneiden, wenn ihr in euren übergroßen C&A-Höschen das erste Mal durchs Szeneviertel stolpert.
Ihr halbwegs aufgepumpten Patriot-Front-Abklatsche denkt immer noch, ihr hättet Kali-Yuga zugunsten von 30+ % Prozent mit euren Amazon-Anfängerboxhandschuhen niedergerungen – habt kaum gemerkt, dass ihr geduldeter Nebeneffekt von Volksparteienfrustration seid, verdammt dazu, sehr bald eine Streichholzarmevereinigung nach Vorbild von SDAJ, Falken oder Grüner Jugend zu werden, wo ihr es nicht schon seid. Alles, was ihr jetzt versaut – es wird mit zehnfacher Kraft gegen euch zurückkommen!
Obdacht, in der Peripherie dieses Moorlandes gibt es noch Leben: Konservative Individualisten, rechte Linke, linke Rechte, Verräter, Verächtliche, progressive Traditionalisten, Aussätzige. Ihre Aufgabe: Überholen, jagen, vernichten. Jedes bisschen Gewissheit aus diesen politischen Kasten treiben. Schwarze Fahnen, bunte Gedanken. Trauer zu Freude, Freude zu Hass. Hass zu Leben!