Agent Apollon – Ein Ausweg

Über Geschlechterdynamiken.

Die Einlassungen des sogenannten rechten Lagers zum ramponierten Geschlechterverhältnis, die von kaum mehr als Fremdschuldzuweisungen und Slut-Shaming geprägt sind, rufen in mir das Bild eines übergewichtigen Mannes hervor, der beginnt, seinen eigenen Spiegel zu hassen. Diese Leute erinnern mich zudem an Alf, den Außerirdischen: Nach seiner Ankunft auf der Erde musste er erst mühsam lernen, dass man Katzen nicht frisst, sondern sich mit ihnen anfreundet, um sie als Spielgefährtinnen zu gewinnen – und so schließlich den kuscheligen Platz neben ihnen auf dem Sofa zu ergattern. Die Medizin, die diese Kreise für ihre fehlgeleiteten Jünger parat haben, ist immer dieselbe: Patriarchat statt Selbstüberwindung.

Nach innen in die Peer Group, die jede Abweichung vom eigenen Selbstverständnis des Gralshüters „traditioneller Werte“ wahlweise als „schwul“ oder „degeneriert“ ächtet, evoziert die Sehnsucht nach einer Rückkehr patriarchaler Gesellschaftsstrukturen, den unablässigen Erwartungsdruck, zuerst die politische Macht und damit alle Kontrollinstrumente in die Finger bekommen zu müssen, um hiernach das Volk via Kulturverordnungen und moralischer Standardsetzungen – letztlich also durch die Intervention ins Private – geistig umzufrisieren.
Nach außen nötigt sie – im besten Fall – dem zu unterwerfenden „Objekt“ nur ein angewidertes Augenrollen ab; im schlimmsten Fall trägt sie zur anhaltenden Störung der Kommunikation und zur weiteren Eskalation der Entfremdung bei.


Bleibt diese Sehnsucht ungestillt, hat man zumindest eine Entschuldigung für die hochgradig dysfunktionale Herangehensweise in der Anbahnung erotischer Liaisons und für die grundsätzliche Ablehnung einer manchmal harten „Liebe zum Schicksal“. Nach dem Motto: „Erst muss sich die Welt so zeigen, wie wir sie gerne hätten, und nicht wie sie tatsächlich ist.“ Es bleibt im Bereich des Spekulativen, ob Männer, die in postjugendlicher Renitenz mit Transparenten auf Mauern schleichen, nebenbei das Abendland retten und Penisbilder im Internet verschicken, wirklich die Individuation zum Klanoberhaupt samt der Last der Omniverantwortung umarmen wollen – oder ob hinter dem Wunsch nach patriarchaler Renaissance schlicht die Angst steht, ohne strukturelle Beihilfe, soziokulturelle Alimentierung und restaurative Reformation im Hürdenlauf des Wettbewerbs nicht ans Ziel zu gelangen (zwischen die warmen Schenkel) – und wäre dies nicht ohnehin ein Aufrechtgehen auf Krücken? Mit der Dekonstruktion des materiellen Versorgers, der über Bankkonten und finanzielle Abhängigkeit regierte, hat sich auch das Patriarchat als ordnender Schutzfilm überlebt. Und das muss für junge Männer nicht unbedingt etwas Schlechtes bedeuten – ganz im Gegenteil. Die neue Währung heißt Anziehung. Ich fordere von der jungen Rechten nichts weniger als einen radikalen Geisteswandel: Verharre nicht als Geisel der Gegebenheiten. Überwinde dich zum Agenten Apollon:

Ich spreche von einem neuen Archetyp: dem Radikalindividualisten. Ein Mann, der sich zu physischer Härte und intellektueller Beweglichkeit diszipliniert und sich von den Herdenzwängen einer ihn demoralisierenden Szene löst. Er schöpft sein Leben aus echten Leidenschaften, die ihn gegen Verluste und emotionale Erpressung wappnen – denn im Kern bleibt er sich selbst genug. Er ist ein Mann, der sich auch feminin kodierten
Themen öffnet, der Kunst und der Ästhetik; ein kultivierter Infiltrator, ein rechter Bohème. Er betritt die für viele Rechte inzwischen als feindliches Territorium geltende Arena der Sexualität und durchdringt das Minenfeld gegenseitiger Ressentiments mit der Leichtigkeit eines Seiltänzers. Statt diese Welt zu bekämpfen, will er in ihr wirken. Er begegnet der dionysischen Kraft und Triebhaftigkeit der modernen Frau nicht mit Ablehnung, moralischen Appellen oder dem Reflex, sie zu unterdrücken. Stattdessen schafft er einen sicheren Raum, in dem sich diese wilde Energie vollständig und ohne Scham entladen kann. Er ist kein Dompteur, der mit Peitsche und Zwang Verhalten erzeugt und die Raubkatze dressiert, sondern ihr Bändiger, der eine Form ekstatischer Softpower auf die Beziehungsebene hebt. Durch den biologischen Hack des Hormoncocktails im Orgasmus
schafft er eine tiefe Bindung und erhält direkten Zugang zum Betriebssystem. Kurz: Er muss ein verdammt guter Liebhaber sein – Sex ist weder Konsum noch ritualisiertes Mittel zum Druckablassen, sondern Bindungsarbeit. Er genießt und ordnet, durchkreuzt die Autonomie der Politisierung und führt sie zurück in natürliche Bahnen. Stelle dir einen Mann vor, der in seiner Verunsicherung wieder am Weibe herumnörgelt: Für wen sie sich denn so aufmotzt in seiner Abwesenheit? Und dann stelle dir einen Mann vor, der ihr das Gehirn aus dem Schädel fickt und ihr anschließend einen selbst gezimmerten Schminktisch überreicht. Er wird zum Imperator dieser Welt.

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