Sechs Gramm sind mehr, als man so denkt; sechs Gramm sind wenig bald,
die Lines werden leiser, leerer, länger, kalt,
ich les ihr letzte Sätze vor, sie legt ihr Ohr an mein Geräusch,
wir zählen nicht mehr Gramm; wir zählen nur noch Rausch.
der Takt wird tackern, trocken, tackt die Zunge wund und taub,
die Silben sacken sacht wie Staub, sie saugt den Schwanz, ich saug den Staub,
sie sagt, sie sieht sich selbst in mir; ich seh nur Maß im Spiegelglas,
sie misst mich an der Nacht; ich mess mich an dem, was nie da war.
Sechs Gramm sind mehr, als man so denkt; sechshundert bar im Blick,
die Augen offen, ohne Schlaf, der Atem flach, der Puls ein Tick,
ein halber Zentimeter mal fünf; wir lachen über Maß,
doch Maß wird Macht wird Mangel bald; ich schreib es in den Rausch.
die Worte winden, werden Wellen, werden Wände ohne Halt,
die Reime reiben, reißen Ränder, reißen Rhythmus roh und alt,
sie lehnt sich näher, leiser jetzt; der Raum wird rauchlos, leer,
ich les, sie hört, wir hören nichts; nur Herz, nur Härte, mehr.
Sechs Gramm sind weniger als man so denkt; sie fallen fein,
wie Fäden durch die Finger, flüchtig, flackernd, fast gemein,
wir zählen nicht mehr richtig mit; die Zahlen werden Klang,
und Klang wird Körper, Körper bricht; uns bleibt nur noch der Drang.
05.05.2026, Wien, BSLSK im Hyperkonsum