Das Glücksversprechen

Romanfragment der Heldenreise eines jungen Emetophilen, dessen regelmäßige Besuche bei einer bestimmten Prostituierten nicht unbeobachtet bleiben.

Als sie kamen, um ihn zu holen, in dem einen Sekundenbruchteil, in dem sein Blick noch die Anzeige seines Digitalweckers einfing, bevor ihm behandschuhte Hände auf Augen und Mund fielen, war sein erster Gedanke, dass er all die Jahre unbewusst doch etwas Verbotenes getan haben musste. In all den Jahren hatte er sich wohl doch strafbar gemacht, als er im Internet unterwegs war, und später, als er zu Chloe ging. Oder vielleicht hatten sie es auch in der Zwischenzeit, irgendwann in den letzten Jahren, stillschweigend unter Strafe gestellt, ohne die Betroffenen davon in Kenntnis zu setzen.

Er war sich immer bewusst gewesen, dass andere es nicht taten, aber für abnormal hielt er es nicht, dafür gab es sichtlich zu viele andere, die – glaubte man dem Angebot im Netz – es ebenfalls taten. Und mit Chloe hatte er schließlich nach langer Suche sein Gegenstück gefunden und mit ihr ganz ohne Mühe eine kleine Gegenwelt aufgebaut, in der dieser Wunsch die einzige ausschlaggebende Norm war. Wenn er zu ihr ging, brachte er zwei Bananen und einen Becher Trinkjoghurt mit, sie verschwand kurz im Bad, um es zu sich zu nehmen, und kam dann wieder zurück ins Zimmer. Bereits dieser Zeitabschnitt war ein festeingespielter Teil ihres Rituals geworden, und diese wenigen Minuten, in der er auf dem Bett saß, auf dem sie bereits ein Plastiklaken ausgebreitet hatte, genügte, um ihn alles andere vergessen zu lassen.

Sie kam herein, und ohne Vorabsprache oder Plan entfaltete sich stufenweise ein intensives Vorspiel. Chloe, mit ihrem kühlen Blick und dem langen blonden Haar war wie eine unwirkliche Figur aus einem Teenagertraum, und während sie ihn küsste, ihre Zunge langsam aber entschieden durch seinen Mund pflügte und ihre Hand ohne Scheu zwischen seine Beine ging war ihm schon in diesem Moment, als würden die Rezeptoren, die für ihn die Welt aufzeichneten, für einen kurzen Moment aussetzen. So verbrachten sie im Durchschnitt eine Dreiviertelstunde – seine Armbanduhr lag zwar neben ihnen auf dem Nachtschrank, aber dennoch wusste er es ganz genau, denn genau Fünfzehn Minuten vor Ablauf ihrer gemeinsamen Zeit machte sich Chloe langsam von ihm los, schob sich mit ihren Händen langsam zum Fußende des Bettes zurück und postierte sich zwischen seinen angewinkelten Beinen.

Sie nahm seine Eichel in den Mund, rieb sie ein wenig an der Innenseite ihrer Wange, ohne dabei den Blickkontakt mit ihm abzubrechen und ließ dann seinen Penis Zentimeter für Zentimeter bis zur Wurzel in ihrem Mund verschwinden. Dies war der Moment, auf den alles hinauslief, die körperwarme Feuchte ihrer Kehle; der Gedanke, dass sein Penis in diesem Moment von ihrer Speiseröhre festgehalten wurde, wie ein Essensbissen auf den Weg in den Magen. Dann, durch eine leichte Neigung ihres Kopfes brachte sich Chloe in die richtige Position, dass es ihr unangenehm wurde, ein Würgen ging durch sie durch, ein zweites Würgen, und dann, wie als wäre eine trennende Membran eingerissen, brach plötzlich das weiße, suppige Mus aus Bananen und Joghurt aus ihrem Mund hinaus und ergoss sich über seinen Penis. Dies war der Höhepunkt – der Anblick der ringförmig hervorschießenden Flüssigkeit aus ihrem Mund, dieser Moment der absoluten Verbundenheit und der Wärme, die an seinen Oberschenkeln hinunterrann – für gewöhnlich war er schon in ihrem Mund so hart, dass allein die sachte Bewegung, mit der sie ihn danach aus ihrem Mund gleiten ließ, genügte, um ihn sofort abspritzen zu lassen; dies waren die Besuche mit voller Punktzahl, in denen wirklich alles nach Plan ging. Manchmal nahm sie seine nassglänzende Erektion noch in die Hand und brachte es mit ein paar kurzen Bewegungen zu Ende – das war zwar nicht wie es in seinen Fantasien ablief, aber ihr Erbrechen war, worum es ging, und nachdem er das gesehen und gespürt hatte, war alles andere eigentlich nur noch ein Epilog. Dies war, was Chloe für ihn tat, und wofür er ihr jedes Mal aufs Neue 200 Euro bezahlte – ein Aufschlag für den Sonderservice, mit dem sie explizit auf ihrem Profil warb; anfangs hatte sie mehr dafür verlangt, aber als sie sah, dass er wiederkam und ihr wöchentlicher Kunde wurde, hatten sie sich auf dieses Paket geeinigt. Ob er der einzige ihrer Kunden war, der in dieser Richtung tickte, wusste er nicht, und wollte auch nicht fragen, um sich die Illusion zu bewahren – anfangs waren diese Besuche ein Nonplusultra gewesen, die Verwirklichung einer Fantasie, die ihn schon jahrelang begleitete, ohne dass er ihr Kommen irgendwann bemerkt hatte, aber seit einigen Monaten, auf dem Weg nach Hause, registrierte er dennoch, dass die schlussendliche Befriedigung nicht mehr so lange anhielt wie früher.

Was Chloe für ihn tat, war der zentrale Faden, um den seine Sexualität geflochten war, war das, wonach er nach Feierabend im Internet suchte, und woran er dachte, wenn er onanierte, aber dennoch – dennoch, obwohl er hier seine wichtigste Fantasie vor sich ausgelebt sah, so perfekt, wie er es sich niemals vorzustellen gewagt hatte, dennoch hatte sich die früher einmal tagelang anhaltende Wirkung dieser Besuche langsam, aber spürbar, abgerieben. Er hatte sogar gemerkt, dass der Sex mit anderen Prostituierten besser war, und dank des fehlenden Aufschlags auch weniger kostete – aber das Verlangen und die Vorfreude auf Chloes Kopf zwischen seinen Beinen, das tierische Geräusch ihres Würgens, und die sich langsam auf seinen Unterleib ergießende Wärme blieb – und war sein erster Gedanke beim Aufwachen. Mit den anderen Mädchen war es schönerer und auch längerer Sex, ganz einfach weil sich die Erregung langsam steigerte, anstatt wie bei Chloe sofort zu implodieren, aber es war eben nicht die Erfüllung seiner Fetischfantasie. Es war das große Dilemma seiner Existenz: Viel Geld für einen Sex ausgeben zu müssen, der ihn eigentlich nicht lange befriedigte, auf den er aber gepolt war; anstelle sich von demselben Geld zwei Besuche bei anderen Prostituierten leisten zu können, die ihm aber nicht seinen Sonderwunsch erfüllten. Eine bittere Lebensproblematik, und er fragte sich, ob es dafür überhaupt eine Lösung gab.

Nun saß er zwischen zwei anderen auf dem Rücksitz eines zuckelnden Autos, einen blickdichten Stoffbeutel über den Kopf gestülpt, und die Arme unbequem auf den Rücken gefesselt. Sie mussten ihm irgendetwas gespritzt haben, denn an den Einstieg ins Auto, das Anlassen des Motors und den Beginn ihrer Fahrt konnte er sich nicht erinnern. Keiner seiner Begleiter sprach ein Wort, nur das einschläfernde Summen der Karosserie war zu hören. Dies war also, wie man nun mit ihm und seinesgleichen verfuhr; ab und an war ihm der Gedanke gekommen, dass sie es irgendwann vielleicht überprüfen mussten, aber dass es verboten werden würde, hatte er sich nicht vorstellen können. Gegen welches Gesetz verstieß man? Solange es Frauen, gab, die freiwillig auf Männer kotzten – beziehungsweise sich (zumindest im Internet) freiwillig bekotzen ließen, gab es keine juristische Handhabe. Aber dies sah jetzt offenbar anders aus.

Das Auto kam nun zum Stehen, der Fahrer stellte den Motor ab. Der Mann zu seiner Linken stieg aus, der Rechte sagte: „Raus“, und zog ihn am Arm zu sich her. Im Schlafanzug, den blickdichten Sack immer noch über dem Kopf, machte er im Sitzen mit seinen nackten Füßen kleine Schritte seitwärts, bis er die kalte Morgenluft spürte, die den Übergang durch die geöffnete Tür markierte. Sofort packten ihn zwei rüde Hände, drückten seinen Kopf hinunter und rissen ihn förmlich aus dem Auto. Er zählte fünf oder sechs Schritte auf nassem Asphalt, dann wurde ihnen offenbar eine Tür aufgehalten, denn nun spürte er kaltes Linoleum unter seinen Füßen. Seine Begleiter hielten ihn fest, sodass er instinktiv stehenblieb. Er registrierte eine leichte Druckbrise an sich, als ob sich unmittelbar vor ihm jemand mit schnellen Bewegungen zu schaffen machte. „Jetzt bitte einen Schritt nach vorn.“, sagte eine andere Stimme, er tat es und seine zögernden Zehen berührten die vertrauenserweckende Textur von zwei leeren Filzpantoffeln, in die er dankbar hineinschlüpfte.

„Nach dahinten.“, sagte dieselbe Stimme zu seinen Begleitern. „Er wartet schon.“, und sofort setzten sich die Männer wieder mit ihm in Bewegung. Für einige Sekunden war das harte Geräusch ihrer Schuhe in einem offenbar leeren Korridor zu hören, dann lockerte sich plötzlich der eiserne Griff um seine rechte Armbeuge, und jemand schloss eine Tür auf.

„Stehenbleiben.“, sagte eine Stimme. Und die rüden Hände wanderten übergangslos und routiniert zu seinen Handgelenken und schlossen das Fesselband auf, mit dem sie ihm die Arme auf den Rücken gebunden hatten. Das wunderbare Gefühl seiner sich wieder mit Leben füllenden Arme konnte er aber nicht lange genießen – „Achtung. Jetzt bitte nicht bewegen.“, tönte es hinter ihm, und dicht neben seinem Kehlkopf gab es ein kurzes trockenes Klacken, wie von einer Gartenschere, als sie die enge Schnur durchtrennten, mit dem sie den Sack an seinem Hals festgemacht hatten.

Der erste tiefe Atemzug zusammen mit dem nun auf ihn einbrechenden Licht der Neonlampen war wie ein Faustschlag, und bevor er sich umdrehen konnte, um seinen Begleitern endlich ins Gesicht zu sehen, hatten sie ihn schon in den Raum geschubst und die Tür wieder hinter ihm verriegelt.

Für einen Moment lag er schwer atmend auf den Knien, dann hob er den Kopf und sah sich um, aber es gab nichts zu sehen. Ein winziger viereckiger Raum, die Wände beige gestrichen, hinter ihm die Tür, durch die sie ihn geschubst hatten, direkt vor ihm eine weitere Tür. An einer Wand ein einzelner orangefarbener Plastikstuhl, der mit einer Metallstrebe in den Boden eingelassen war.

Er fragte sich, wie spät es sein mochte. Als sie ihn geholt hatten, war es knapp halb vier gewesen, aber das musste nichts heißen. Um sieben Uhr begann seine Schicht, und das machte ihm ein wenig Kopfzerbrechen, denn er war schon zweimal verwarnt worden – aber so wie die Dinge aussahen, fiel ihm nun ein, würde er wahrscheinlich bis auf weiteres ohnehin nicht mehr zur Arbeit kommen. Er blickte sich in dem kargen Raum um. War das schon das Gefängnis? Oder würde es noch eine weitere Fahrt geben? Durfte er noch einmal nach Hause, um seine Sachen zu holen? Und musste er selbst seine Eltern anrufen, und ihnen die frohe Kunde überbringen, oder würden sie das für ihn tun? Hatten sie es vielleicht schon getan? Sein Blick fiel auf die Tür vor ihm – und innerlich stählte er sich bereits, dass dort neben dem Vollzugsbeamten, Haftrichter oder wem auch immer, auch seine Mutter und sein Vater mit ihm Raum saßen.

Prompt klickte nun das Schloss und die Tür schwang auf. Er sah gar nicht den Menschen an, der sie geöffnet hatte, sondern blickte instinktiv in den Raum, der sich hinter dem Türrahmen zeigte, aber zu seiner großen Erleichterung saß dort niemand. Erst dann fixierte er sein Gegenüber. Ein blasser, schmallippiger Kerl in einem zu weiten Jackett, dessen Wangen unschön gerötet waren, wie durch eine zu scharfe Rasur. Er trat unwillkürlich einen Schritt zurück – das sollte nun also sein Vollzugsbeamter sein.

„Herr Petzold?“, fragte der Mann mit unangenehm hoher Stimme. „Bitte kommen Sie rein.“

Er folgte ihm zögernd durch die Tür und sie betraten den kleinen Büroraum. Sein Begleiter wies ihm einen Stuhl zu und setzte sich dann wieder hinter seinen Schreibtisch. Er nahm eine Mappe in die Hand und schlug sie offenbar wahllos auf.

„Clemens Petzold.“, sagte er, jede Silbe einzeln betonend. Clemens blickte ungeduldig zu ihm hin. Die Situation hatte mit dem Auftreten dieses Männchens eindeutig an Schärfe verloren. Er war nun bereit, sämtliche Konsequenzen zu übernehmen und ins Gefängnis zu gehen, damit wäre er immerhin seinen Job los.

„Clemens Petzold.“, sagte der andere wieder genüsslich, und blätterte eine Seite um.

„Bin ich.“, sagte Clemens nun.

Der andere blickte von seiner Mappe auf. „Sie wissen, warum Sie hier sind?“

„Ja.“, sagte Clemens. „Es geht um die Kotzerei.“ Es war das erste Wort, das ihm einfiel, um diesen ganzen Themenknoten auf den Begriff zu klingen, und die Albernheit war ihm in diesem Moment egal. Eigentlich war ja nun alles egal.

„Um die geht es auch. Im weitesten Sinne.“, sagte der andere ungerührt. Dann öffnete er wieder die Mappe. „Sie sind sechsundzwanzig Jahre alt.“, begann er. „Alleinstehend. Arbeiten seit sechs Jahren als Kundenberater im Call Center UPhone; vorher mehrere Ausbildungen, die sie aber alle abgebrochen haben.“

„Das ist alles richtig.“, sagte Clemens ungeduldig. „Hören Sie, ich würde jetzt gerne meinen Anwalt anrufen.“ Die Worte waren schon draußen, bevor ihm einfiel, dass er gar keinen Anwalt hatte. In diesem Moment erschien es ihm ein interessanter Gedanke, wie man überhaupt zu einem Anwalt kam, den man im Verhaftungsfall anrufen konnte. War es möglich, einfach einen Termin zu vereinbaren, einen Vertrag abzuschließen, und dann hörte man vielleicht jahrelang, jahrzehntelang nichts mehr voneinander, bis es irgendwann nötig wurde?

Er blickte auf das kleine Telefon auf dem Schreibtisch seines Gegenübers – es würde wohl darauf hinauslaufen, dass er seine Eltern anrufen würde, die sich um alles Weitere kümmern würden. Aber wie das alles erklären? Und was, wenn sein Vater abnahm?

„Einen Anwalt brauchen Sie hier nicht.“, sagte der andere nun unbeirrt und widmete sich wieder seinen Unterlagen. „Seit Sie bei Uphone arbeiten, haben wir häufige Besuche bei Frau Stefanie Käseberg registriert.“ Er blickte auf. „Sie kennen sie wahrscheinlich unter dem Namen „Chloe“.

Diese Information warf Clemens nun doch ein wenig zurück: Es war wie ein einzelner Hammerschlag gegen eine riesige Glasscheibe – eben stand noch etwas, dann war es plötzlich weg, ohne Trümmer zu hinterlassen: Die kühle, strahlend schöne Chloe, die ihn, wann immer er es sich leisten konnte, in eine schummrige Halbwelt hinabführte und sich auf ihn herabsenkte wie ein gelenkiger Sukkubus, hatte einen Namen wie eine Supermarktkassiererin. Mit einem Mal sah sich Clemens nun selbst, im Schlafanzug, auf diesem kleinen Hocker im Zentrum dieses nüchternen Büros – er fragte sich, ob er Chloe jemals wieder besuchen wollte. Er hatte oft genug über sie fantasiert, hatte gehofft, sie an der Haltestelle zu treffen, sie persönlich kennenzulernen, aber dass diese Realität eine so herbe Note haben würde, hatte er sich nie träumen lassen.

„Vor Ihrem dreiundzwanzigsten Lebensjahr waren Sie unseren Unterlagen nach nur dreimal bei einer Prostituierten; danach haben wir hier einen deutlichen Anstieg, der, wie gesagt, mit Antritt Ihrer Beschäftigung bei Uphone einen Höhepunkt erreicht. Einen Höhepunkt, der, wenn ich so offen sprechen darf, bis heute anhält. Durchschnittlich ein Besuch alle acht Tage. Was der Grund ist, also was an ihrem 23. Geburtstag passiert ist, wissen wir nicht, und es geht uns auch nicht an.“

„Sehr gnädig von ihnen.“, sagte Clemens. Es war gar nicht nötig, daraus ein großes Mysterium zu machen, denn er wusste selbst am besten den Grund. Mit 23 musste er sich aufgrund einer plötzlichen Verengung beschneiden lassen, und seit diesem Eingriff war nichts mehr wie vorher. Seine drei aktenkundigen Besuche bei Prostituierten hatten alle mit dieser Phimose stattgefunden, und das war vielleicht auch der Grund, warum er diese Erfahrung schulterzuckend abgetan hatte, und auch unmittelbar nach dem Besuch keine große Veranlassung verspürt hatte, sie bald zu wiederholen, was heute kein auch nur ansatzweise nachvollziehbarer Gedanke mehr war. Er hatte bis zu dieser OP eigentlich gedacht, sich selbst gut zu kennen, aber was immer auf dem Tisch mit ihm passiert war, es hatte seiner Libido einen enormen Schub gegeben. Direkt nach Abschluss der Wundheilung fing es an – zuerst kam die groteske Erfahrung, mit fast Mitte zwanzig das Onanieren neu lernen zu müssen (neue Verteilung der entscheidenden Zonen, veränderte Benutzeroberfläche und verschobener Anschlagspunkt), und dann, quasi als neuer Mann, hatte er sich ein Herz gefasst, und war zu einer Hure gegangen, um zum ersten Mal seine Emetophilie auszuleben. Er hatte lange gesucht, bis er das richtige Inserat fand, und auch danach hatte er noch lange weitersuchen müssen – selbst die Frauen, die sich bereiterklärten, taten es nicht, wie er es sich wünschte. Und dann kam irgendwann Chloe – und ging nicht mehr. Er arbeitete da schon bei UPhone und war erst selig, dass er hier deutlich mehr Geld zur Verfügung hatte als noch als Azubi, aber auch diese Freude rieb sich langsam ab, als auch das zusätzliche Geld für zusätzliche Besuche irgendwann nicht mehr reichte.

„Sie sind ein sehr fleißiger Mitarbeiter.“ sagte der Mann am Schreibtisch nun. „Hier steht, Sie haben in

diesen sechs Jahren immer an Ostern, Weihnachten und an Silvester gearbeitet.“

Clemens nickte gereizt. Dass er das aber nicht für Uphone machte, sondern in erster Linie für den Feiertagszuschlag und damit eigentlich für Chloe, oder eine ihrer Kolleginnen, sagte er nicht.

„Trotzdem wurden sie schon zweimal verwarnt.“ Der Mensch blickte von seinen Unterlagen auf. „Ich muss auch sagen, wenn ich Sie mir so ansehe, mit ihrem kahlrasierten Kopf und dem Kaiser-Franz- Joseph-Bart kann ich Sie mir auch nur schlecht als freundlichen Kundenberater vorstellen.“ Er reckte sich über den Schreibtisch. „Und tätowiert sind sie auch, wie ich sehe.“

„Hören Sie zu.“, sagte Clemens jetzt. „Wer sind Sie überhaupt? Und was soll ich hier? Sie können mich gerne jetzt in die Zelle oder sonstwohin bringen, aber ich habe ehrlich gesagt keinen Bock, mit Ihnen hier über meine Tattoos zu reden.“ Der andere lehnte sich schmunzelnd zurück. „Herr Petzold.“, sagte er. „Wir wollen gar nichts Böses. Und ich kann Sie beruhigen – wir sind nicht die Polizei und Sie kommen auch nicht ins Gefängnis; Sie dürfen sogar gleich nach Hause gehen, wenn sie das wollen. Lassen Sie mich Ihnen nur vorher erklären, warum wir sie hierhergebracht haben.“

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