Das Leibesbeben

Das Testosteron schießt mir von Adrenalin begleitet durch die Adern und meine Augenlider reißen sich dem Himmel und der Erde entgegen. Den Schrei, nicht durch die Ohren, sondern durch das Blut habe ich vernommen und kein Zurück gibt es jetzt noch. 

Ich atme. Heiße Luft durch mein Inneres erwärmt strömt mir durch den halboffenen Mund am Rot meiner Lippen vorbei. Die Frequenz desselben erhöht sich, die Abstände werden stetig geringer und mein Atem, der nun so stark geworden ist, dass auch die Stimmbänder sich einem leichten Stöhnen nicht entziehen können, wird von einem anfangs dumpfen, aber schnellen Schlagen meines Herzens begleitet. Wie die Gezeiten unterliegt mein Körper nun dem ständigen Wechsel eines sich öffnenden, größer werdenden Brustkorbes, der sich schließlich wieder zu ursprünglicher Form zusammenzieht. Diese Bewegung lässt die mir um den Hals hängende Kette, sich an meiner Brust auf und abreiben und der Schweiß, welcher nun aus den Poren meines gesamten Oberkörpers auszutreten scheint, läuft diese langsam herunter, sich auf dem Anhänger sammelnd, bevor er sich vor Schwere nicht mehr zu halten vermag und auf die nackte Haut meines Gegenübers tropft.

Dieses Orchester, dem nichts Bewusstes – nein, etwas darunter, etwas intuitives Dirigent sein muss, bereitet mich vor, für das was kommt, für das, was nun unausweichlich scheint. 

Die Hände, welche fast ganz zur Faust geballt den kühlen, doch sich durch die Hitze meines gesamten Leibes aufwärmenden Stahl umgreifen, beginnen zu schwitzen und in mir macht sich die Angst breit ich würde dadurch die Kontrolle darüber verlieren. 

Also greife ich fester zu. Die Schläge, eben noch als dumpf wahrgenommen, sind nun in das Gegenteil verkehrt, leer scheint mein Körper bei dem Hall, den sie in ihm erzeugen. Ohrenbetäubend beschränken sie meine gesamte Wahrnehmung und nichts fühle ich als das brennende Herz, das mir droht, die gesamte Brust zu zerreißen. Ich schließe die Augen, hoffend meinen Fokus wieder herzustellen, doch es gelingt mir nicht. Mein Körper bewegt sich wie fremdgesteuert, fast sklavisch seinen Impulsen und Leidenschaften ergeben. Doch da diese ebenfalls aus mir entspringen bin ich auch Herr derselben. Vielleicht nicht Ich unmittelbar – aber etwas an mir, in mir – oder von mir?

Die Klimax des Ganzen scheint sich zu nähern und trotz der Tatsache, dass ich allem Fokus, aller Besinnung beraubt bin, weiß ich instinktiv auf einen Schrei zu warten, der diesen einleitet. 

Das Testosteron schießt mir von Adrenalin begleitet durch die Adern und meine Augenlider reißen sich dem Himmel und der Erde entgegen. Den Schrei, nicht durch die Ohren, sondern durch das Blut habe ich vernommen und kein Zurück gibt es jetzt noch. 

Der Sturm beginnt. Das Herz ist nun nicht mehr das einzige Schlachtfeld und Leben wird….

geschaffen? genommen?

Sag mir, spürst du den Krieg oder den Liebesakt in diesen Worten?

Die Leidenschaft? Das Leiden Schaffende?

Sex und Tod. Krieg und Leben. 

Feuer ist in beiden und nirgendwo anders stärker zu finden.

Das Schwert ist phallisch allemal, der Arm, der zum Schlage oder Gruße sich hebt, ist es genauso.

Die Klinge, die in den Körper von Schmerz begleitet eindringt aus Leidenschaft zum Kampf, schreiend und stöhnend, so sag mir:

Der Erguss des Blutes, des Samen, des Leben, des Todes, des Beginnenden, des Endenden…Tanz! Welch Tanz, welch schlimmer, schrecklicher, welch seines Gleichen suchender Tanz, welch Beben. Spürst du es, so sag mir? Spürst du es auch?

Gab es je, jemals, schöneres – als Tanz für Tod und Leben?

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