Was heute vielen als „rechts“ gilt, ist in Wahrheit ein Sammelsurium aus Reaktion, Ressentiment und Verwahrlosung. Wer an Hierarchie, Elite und Form glaubt, muss sich gerade deshalb lösen von rigorosem Klammern an Ethnopluralismus, ebenso vom autoritär-nationalistischen Reflex der tätowierten Glatzen, von der weit unterdurchschnittlich intelligenten „Heimat“, von Konservativen und Reaktionären, sowie von den Bonapartisten, die neofaschistische Einlassungen verkörpern, häufig auch in einer düster-satanistisch- anarchistisch-antikulturell anmutenden Optik.
Dies darf jedoch nicht aus anschlussfähiger Anpassung entstehen, wie es die „Wer sich distanziert, verliert!“- Schreihälse vermuten würden, sondern aus begriffener Konsequenz, das nietzscheanische Kernprinzip der Hierarchie, der ästhetischen Überlegenheit (im Geist und in der Form) und des utopischen Ideals nicht zu hintergehen.
Diesen auf klassisch rechter Weltanschauung beruhenden Gesellschafts- und Herrschaftsformen liegen zwar inhärent rechte Prämissen zugrunde, sie müssen aber aus taktischen wie aus normativ-kulturellen Gründen ersetzt werden, Gründe, die trotzdem zur landläufigen Definition von rechts als Akzeptanz von Ungleichheit konsistent sind. Denn irgendeine Staatsform braucht es schließlich, nach Aristoteles: nicht nur um des Überlebens willen, sondern auch um des vollkommenen Lebens willen. Dazu eignet sich, auf rechtem Natur- und Menschheitsverständnis aufbauend, Carl Schmitts Theorie der identitären Demokratie, die in ihrer Endform, bildlich von der Raupe zum Schmetterling geworden, dem Faschismus meilenweit überlegen ist, da sie ganz simpel in ihrem Ziel und Wesen auf Zustimmung statt auf Zwang gründet und unzertrennlich mit einer neuen gemeinschaftlichen Gesellschaft verbunden ist; schließlich ließe sich nur ein Dummer gerne unterwerfen.
Der Begriff der identitären Demokratie darf nicht wegen der lexikalisch-semantischen Nähe und Wortüberschneidung zur „identitären Bewegung“ oder zur ehemaligen Fraktion des EU-Parlaments „Identität und Demokratie“ zu Verunsicherung führen. Denn neben der Freund-Feind-Unterscheidung und der substanziellen Homogenität des Volkes, die das an Altersschwäche und Versteifung sterbende sogenannte Vorfeld und die IB täglich preisen, ist auch die Identität von Herrscher und Beherrschten, Regierenden und Regierten, Befehlenden und Gehorchenden (Verfassungslehre, 1928) für Carl Schmitts Verfassungstheorie und Staatsmodell von zentraler Bedeutung.
Dabei geht es um das Verhältnis zwischen Elite und Allgemeinheit, also im Prinzip um das Wesen der geistigen Aristokratie und deren Ausbreitung, nach der sich die Rechte so sehr sehnt.
Die Abgrenzung vom Faschismus und stattdessen Hinwendung zur (identitären, nicht-liberalen) Demokratie hat folgende Vorteile:
Die rechtlich-opportunistische Ebene
Allein die Ablehnung des Wortes Demokratie, de facto, die nicht aktive Bejahung der Demokratie, verbunden mit Antiegalität und daraus resultierenden Diskriminierungsforderungen gegenüber Bürgern durch den Staat, ist verfassungswidrig; denn nicht zuletzt haben die Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat Bestand.
Hinzu kommt die heute nach herrschender Meinung existierende sogenannte mittelbare Drittwirkung der Grundrechte, hergeleitet aus deren objektivem Wertgehalt innerhalb der Gesellschaft. Diese Drittwirkung führt dazu, dass auch die zwischen den Bürgern nach dem Wortlaut des Grundgesetzes nicht verbotene und damit faktisch erlaubt gewesene Diskriminierung durch sogenannte Generalklauseln, heute durch das „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“ (Antidiskriminierungsgesetz) rechtswidrig wird.
Bedacht werden muss auch die starre Fixierung des harten Kerns der Linken und der marxistischen Bewegung auf den Antifaschismus, der seit 1923 in der „Antifaschistischen Aktion“ organisiert ist und sich seither über die SPD in die Mitte des politischen Spektrums verbreitet hat. Ihr erfolgreiches Kapern und Umdrehen des Begriffs führte dazu, dass sich heute selbst CDU-Vertreter als Antifaschisten verstehen, weil sie den Begriff des (historischen) Antifaschismus nicht vom bloßen „gegen-den-Faschismus-sein“ unterscheiden können. Unlängst lautet die Parole: „Alle zusammen gegen den Faschismus“, und AfDler werden vom zivilgesellschaftlichen Mainstream als „Antidemokratische Faschos“ etikettiert.
Von daher erweist sich der Begriff des Faschismus schlicht als völlig ungeeignet, und gleichzeitig der Begriff der Demokratie als unabdingbar.
Aus dem Grundgefühl, dem Wunsch nach Besonderheit, aus Ohnmachtserfahrungen und nichterfüllbarem Kontroll- und Ordnungsanspruch, der in Hass auf die ihn überfordernde Welt umschlägt, aus fehlendem Kontakt zur normalen, zivilisierten Welt entsteht zurzeit freilich eine Art Amokläufertypus, der sich immer wildere Machtfantasien ausdenkt, samt imperial-faschistischer Ästhetik mit neoklassizistischer Architektur und
entsprechender Härte, sichtbar am unter Rechten positiven Kompliment des „stabil“ Seins. Dieser assoziiert in gewisser Weise mehr bzw. eher weniger gewollt, aber verbalisiert die Ablehnung einer Überbetonung von Degeneration und damit leider implizit eine Identität zwischen Klassik, Romantik und Avantgardismus, die im Gegensatz zur heute gelebten Antikultur steht. Auf progressive Milieus, deren Gewinnung für uns unverzichtbar ist, hat dies eine überaus abschreckende Wirkung; nicht weil sie zu blöd sind zu begreifen, was wirkliches Glück und Freiheit heißt, sondern weil sie Autoritarismus von jenen, die ganz und gar nicht ihrem Wesen entsprechen, zurecht fürchten.
Diese innerlich fragilen männlichen Jugendlichen wollen Gemeinschaft, obwohl sie völlig gemeinschaftsfremd sind. Sie wären selbst in der Gesellschaft derer, auf die sie sich berufen, die Ersten, die aus dem Genpool aussortiert würden. Heutiges „Links sein“ korreliert maßgeblich mit allen relevanten positiven Eigenschaften. Ein Rechter hingegen entsteht nur dann, wenn er irgendeinem herrschenden Prinzip seinem Gefühl nach zum Opfer gefallen ist; es liegt an uns, dies zu ändern.
Es zeigt sich also, dass ein neuer Begriff benötigt wird: Jene, die Faschismus sagen, suchen nach Thomas Coles The Course of Empire: The Consummation und nicht nach toten Augen in einem physiognomischen Monster, der den Begriff durch sein fehlendes Erbe verbrannt hat.
Selbstverständlich hat die Rechte dennoch den Begriff des Antifaschismus als stalinistisch instrumentalisiert für sich abzulehnen. Im Übrigen hat es keinen Zweck, wie Frau Weidel den Begriff des Faschismus oder den NS als
„kommunistisch“ zu framen, oder wie Frau von Storch, eine aggressive Umdeutung zu betreiben nach dem Motto, die heutigen Faschisten stünden links.
Die geistig-moralische Ebene, bzw. die Frage nach dem kulturell-normativen Wert der Freiheit und wie sich diese im europäischen Individuum, dessen höchste Form heute links-idealistisch ist, äußert
Individualismus ist ein tief europäisches Prinzip, entstanden aus einer langen Entwicklung, in deren Verlauf die Selbstverantwortung der Mitglieder einer Gemeinschaft zunehmend auf das Rechtssystem übertragen wurde, von der antiken Polis über das römische Recht bis zu germanischen Rechtsversammlungen wurde Herrschaft immer an Zustimmung gebunden. Das Bild des freien, verantwortlichen Individuums konkretisierte sich seit der Reformation, die das Gewissen des Einzelnen gegenüber der Autorität nach dem Mittelalter noch einmal erheblich stärkte, und setzte sich fort in den europäischen bzw. amerikanischen Revolutionen.
Wir können annehmen, dass die europäischen Hochkulturen sich erst durch dieses Verständnis, des Aufbaus der gemeinschaftlichen Ordnung begründet auf individuellem Wert, zu diesen Kulturzivilisationen entwickeln konnten.
Der Autoritarismus scheint freilich zum Scheitern verurteilt zu sein; weder führt er zur Kultur, noch führt die Kultur zu ihm.
Analog ein Zitat des Admirals Canaris über seine Einschätzung zur Sowjetunion und Roten Armee:
- „Die Sowjetarmee entspricht hinsichtlich der an Führung und Ausbildung zu stellenden Anforderungen nicht dem westeuropäischen Heeresstandard
- Der sowjetische Generalstab ist kühn in seinen Plänen und fachlich genügend durchgebildet, um auch größere Heeresmassen einsetzen und leiten zu können
- Die mittlere russische Führung ist pedantisch und schwerfällig, die untere Führung mangelhaft in ihrer fachlichen und charakterlichen Ausbildung
- Der russische Soldat ist hart, genügsam und in der Abwehr zäh und verbissen. Es fehlt ihm an Disziplin. Seine Kampftechnik ist zum Teil primitiv, allerdings wird er sich bei seiner Gelehrigkeit und mit seinen Naturinstinkten nach kurzer Kampferfahrung, alles, worin ihm der westeuropäische Soldat noch voraus ist, rasch aneignen.“
Seine Ausführungen zu Russlands Schwächepunkten:
- „Die autokratische Struktur des Regimes und die Konzentration des gesamten Apparates in wenige Köpfe und
an wenigen Orten.
- Die Überheblichkeit der mittleren und oberen russischen Führung, die den Sieg über Karl XII. Und Napoleon Bonaparte allein der russischen Tüchtigkeit und dem russischen Raum zuschreiben.
- Die Nachschubempfindlichkeit eines schlecht ausgebauten Verkehrsnetzes gegen moderne Waffen.
- Die Anfälligkeit des primitiven russischen Soldaten gegen konzentrierte Wirkung moderner Waffen.“
Aus dieser Einschätzung sollte trotz des „Kausalität ist nicht gleich Korrelation – Problems“ deutlich werden,
dass ein strikter Autoritarismus niemals zu einer gewünschten, fortschrittlich-positiven Gesamtentwicklung einer kulturellen Volkswirtschaft führen kann.
Dies entspricht den russischen Voraussetzungen nach der gewaltsamen Machtübernahme der Bolschewisten ohne breite gesellschaftliche Mehrheit. Nach der Oktoberrevolution und dem Verlust der Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung folgte die erzwungene Einparteienherrschaft.
Die rechten Vordenker müssen also einer Elitentheorie folgen: Wenn sie aber langfristig an der Macht bleiben wollen, bedarf es entweder, das Volk auf die eigene Seite zu ziehen oder, was rechter Anspruch sein muss, sich das Volk so umzugestalten, dass es den postulierten Lebensstil übernimmt und selbst dem luzid-erleuchteten, nietzscheanischen Ideal folgt. Tragfähig ist kein Brechen, sondern nur ein Formen.
Die angestrebte Idealgesellschaft kann nur eine sein, in der wahre Freiheit herrscht. Diese Freiheit aber ist nur möglich, wenn das Volk geistig dazu bereit ist. An dieser Stelle kommt die Homogenität Carl Schmitts ins Spiel: Innerhalb der Gemeinschaft bedarf es einer gewissen Grundintelligenz, eines individualistischen Optimierungsdrangs, der Bereitschaft, die Instanz der Moral durch die der geistigen und körperlichen Ästhetik mindestens zu ergänzen (Ja, Das Schöne ist das Wahre, das Wahre ist das Gute, und das Gute ist das Gerechte. Ja, das Gute und das Moralische sind auch absolute Werte. Ja, die Idee der Ästhetik ist aus keinem anderen Wert ableitbar, selbes gilt für die Idee der Moral. Ja, Gustav Radbruch war ein würdiger Vertreter des typisch europäischen idealistischen Individualismus.), sich selbst dem Willen zur Form(-steigerung) unterzuordnen und einer Distinktion zum ästhetisch Schwachen und Feigen, aber auch gleichermaßen der Hochsensibilität.
Homogenität bezieht sich auf ein gemeinsames Niveau; es geht dabei explizit nicht um kollektivierende, gemeinschaftsstiftende, häufig national oder ethnisch bedingte Identifikationsmöglichkeiten und -symbole.
In dieser Gesellschaft kann Hierarchie gleich Freiheit sein: Freiheit, das Positive, das Schöne und das Erhabene zu bejahen.
Die demokratische freie Rede, die dann in dieser Welt herrscht, ist natürlich durch eine Verfassung eingegrenzt, das steht außer Frage, sie sind aber keine linken Relikte. Sie sind dahingehend wichtig, dass sich nicht das eigentlich degeneriert Schlechte, das aus welchem Grund auch immer einen Selektionsvorteil besitzt, am Ende durchsetzt. Sie sind Voraussetzung für Erhalt und Steigerung von Qualität.
Nicht zuletzt eröffnet uns die US-Regierung und die Bindung der BRD an sie heute die einmalige Situation, über den libertären Individualismus kabinettsnaher Akteure im Umfeld der Trump-Administration, endlich die Forderungsräume zu erweitern und keine populistische Rentnerpolitik mehr machen zu müssen.
Es besteht die Möglichkeit einer Bündelung der „die Ausländer nehmen mir meine Frau und meinen Job weg“ und „ich kann die Miete nicht bezahlen“ Mentalität und Umwandlung ihrer Wählerstimmen, in eine vitale, fortschrittliche, antireaktionäre und daraus folgend junge, gebildete, wahre, tugendhafte, nietzscheanische Regierung samt geistig-ritterlichem Adel. Diese neue Regierung formt dann die Welt um sie herum nach ihrem Ideal.
Die neue Situation der Stärkung der freien Rede des Internets erfordert eine anti-reaktionäre Öffnung innerhalb der fortschrittlichen Köpfe, der Souveränen von morgen. Dieser neue Typus erhebt sich vom Schwachen, kommt an die Macht, setzt die neuen Werte und kreiert so das neue Leben. Sie sind die Formenden.
Kurz gesagt: Wer heute nach Faschismus sucht, hat entweder Größe und Form in seinem Leben nicht gefunden, oder ist aus Prinzip antikulturell ganz in Nick Fuentes- und Bronze Age Pervert-Manier und meint, rohes Fleisch und rohe Milch würden ihn auf die nächste Entwicklungsstufe bringen. Aber Utopia entsteht nicht aus Zwang, sondern besteht aus freien Menschen.
Mit Evola:
„The supreme nobility of a Roman emperor does not consist in being a master of slaves, but in being a lord of free men, who loves freedom even in those who serve him.“