Kristina Ballova im Interview

Gespräch mit der künftigen Chefredakteurin des FIUME Magazins über Publizistik, Politik und Reinkultur

Wer sind Sie in drei Stationen?
Ich bin Frau, Mutter, Kolumnistin – oder Slowakei, Österreich und Belgien  – oder Zuhause, Politik und Genuss. Suchen Sie sich‘s aus! Einigen wir uns: Ich bin die Frau mit Eigenschaften, so hieß mein erster Blog und ich werde daran anknüpfen. Warum ausgerechnet Chefredakteurin? Die Frage müssen Sie sich selbst stellen. Aber ich freue mich darauf!

Warum „FIUME“?
Es klingt gut, nicht wahr? (lacht). Und das ist bei Fiume sogar ein erlaubtes Argument, denn Fiume steht für den Vorrang der Ästhetik. Und da ist Rijeka und überhaupt Istrien natürlich der richtige Ort: Die blaue Adria, die gebirgige Landschaft und die pittoresken Städte sind schön in jeder Hinsicht. Sie haben schönes Leben hervorgebracht, beim Essen, bei der Kunst, in der Mode. Fiume heißt für mich Schönheit als Leitmotiv. Aber bitte: Schönheit ist nicht beliebig, sie liegt auch nicht im Auge des Betrachters, sie ist objektiv.

Was ist Ihr Satz über das Heft, den Sie nie wieder zurücknehmen würden?
Entweder sind wir innovativ oder wir werden scheitern. Mehr gegen den Strom zu schwimmen als in Zeiten sogenannter künstlicher Intelligenzen ein Printmagazin auf den Markt zu bringen geht nicht. Diesem Anderssein werden wir treu bleiben.

Was heißt für Sie „Reinkultur“ – jenseits von Tagesmeinung?
Kultur lebt, sie experimentiert und hat auch Nebenlinien. Wir leben in einer extrem komplexen Welt. Ich bin in der Slowakei sozialisiert, habe in Österreich und Deutschland studiert und lebe nun in Belgien, meine Kinder bauen sich ihre Kultur aus deutscher und slowakischer Tradition und sprechen mit ihren Schulfreunden Englisch und Französisch. In dieser Wirklichkeit müssen wir aber wissen, wer wir sind. Das ist immer ein Schwanken und Testen und auch Verwerfen. Meine Erfahrung ist, dass man am Ende zu sich selbst kommt und rein wird, wenn man nur mutig ist. Heute bin ich slawischer denn je, aber dafür hatte ich es nötig, mich auch einmal als österreichische Theologiestudentin zu verkleiden.

Warum gehören Feuilleton und Belletristik ins gleiche Heft wie Politik?
Weil alle Politik ein Downstream von Kultur ist. Jeder kennt den Klassiker von Andrew Breitbart. Wir werden das ernst nehmen. Ob man in literarischer Form politisch analysieren kann, das werden wir sehen. Aber einen Versuch ist es wert!

Welche Texte suchen Sie – und welche vermeiden Sie?
Wir wollen nicht posen. Die Gefahr jedes feuilletonistischen Textes ist das l´art pour l´art, das Sich-Selbst-Gefallen in den eigenen Parolen. Was ich stattdessen möchte, ist die Offenheit, die anfasst, und der Gedanke, der klar ist.

Wie kuratieren Sie Autorinnen und Autoren?
Nach Aussehen! (lacht). Nein, nach dem, was sie zu sagen haben natürlich.

Was wird im ersten Printheft (März 2026) sichtbar, das online nur schwer geht?
Print wird im Vergleich zu digital als edler wahrgenommen. Man kann es anfassen. Das ist ein Privileg. Wir können also längere Texte zu ausgefallenen Themen bieten, dazu Fotografien, die wirklich angeschaut und nicht nur weggewischt werden. Ich suche nach wiederkehrenden Kolumnen. Bilder sind wichtig. Wir werden beginnen, eine eigene Fotoästhetik herauszuarbeiten. Das erste Heft ist ein Anfang. Ich möchte ein breites Publikum erreichen, nicht das nächste Nischenmagazin produzieren. Dazu gehören Lifestyle, ein Sinn für Trends und ein Gespür für die Themen, die radikal nah sind und berühren.

Wie gehen Sie mit Zuspitzung um?

Wir wollen bemerkt werden, also provozieren wir. Aber erneut: Nicht um der Provokation willen. Fiume ist Ästhetik und Ästhetik ist nicht nur die Fassade, sie ist Ausdruck des Wahren und Guten.

Woran soll man FIUME erkennen?
An der Überraschung. Ich möchte die Frage hören: Was machen sie denn jetzt schon wieder?

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