Deutschland ist tot. Und die Leiche mieft bereits gewaltig. Nicht erst seit ein paar Jahren. Nicht erst seit sechszehn Jahren öder CDU-Dauerherrschaft. Nicht erst seit der desaströsen Feuersbrunst, die wir den Europäischen Bürgerkrieg nennen. Schon seit der Reichsgründung 1871 kriecht Deutschland wie ein Zombie auf seinen Untergang zu, unter der Kontrolle eines Staates und eines Volkes, die nicht wissen, was sie wollen und was sie sein möchten. Am Leben gehalten nur durch die Erinnerung an das Blut der Gefallenen und durch halb-autoritäre, halb-liberale Maßnahmen. Kaiser Barbarossa verweilt im Kyffhäuser. Als Stauffenberg erschossen wurde, starb mit ihm auch der Rest des »Geheimen Deutschlands«.
Es wird kein »großer Anführer« kommen, um uns zu retten – weder von der linken noch von der rechten Seite. Das Kontingent an Über-Individuen haben wir bereits im letzten Jahrhundert verpulvert. Kein großer moderner Staatsmann lässt sich finden. Der heutige Politikertypus ähnelt eher einen Verwalter und Manager als einen Philosophenkönig. Trist und grau, leblos – ein Spiegelbild vieler deutscher Städte und Dörfer.
Das große Land der »Dichter und Denker«! – Was denken und dichten wir noch? Kaum ein zeitgenössischer Schriftsteller hat es verdient, im selben Atemzug wie die Titanen der Literatur genannt zu werden. Und ein großer Philosoph lässt sich auch nicht blicken. Über den Zustand der Jugend müssen wir ebenfalls nicht mehr klagen, dazu wurde schon genügend gesagt.
Deutschland ist eine Trümmerlandschaft. Ich schlenderte durch Park Sanssouci, eine Tätigkeit, die ich mir in letzter Zeit angewöhnt hatte. Da fiel mir eine Parkbank auf- zerkratzt, besprüht, mit FCK-NZS-Sticker beklebt. Der Anblick machte mich wütend. Auch am Pavillon hatten zahlreiche Idioten ihren geistigen Müll reingekratzt. Man sah Pärchennamen, Instagram-Konten, Herzchen und dergleichen.
Historische Bauten zerfallen, werden angepisst und mit Graffiti besprüht, in den Gärten und Parks liegen Bierpullen und Müll und Heroinspritzen, Denkmäler geraten in Vergessenheit und werden verschandelt.
Machen wir uns nichts vor, wir Deutschen haben uns doch selbst in diese Situation gebracht. »Jetzt zeigen wir es den da oben – deshalb wählen wir für weitere zwanzig Jahre CDU und ändern nichts!«, verkündet irgendeine verlorene Stimme in der Leere.
Immer wieder muss ich an einen Artikel aus einer Zeitschrift zurückdenken, die ich vor einigen Jahren gelesen habe – es ging darum, dass »schöne, konservative Architektur« ohne einen richtigen Mentalitätenwandel nichts nützt. Sehen wir der Wahrheit ins Auge, Recht hat er. Was wollen wir mit einem parlamentarischen Gebäude, das wie ein Schloss geformt, von außen mit kommunistisch-antifaschistischen Parolen beschmiert ist und von innen wie ein Büroraum aussieht?
Fürstliche Schlösser beherbergen nun Parlamentarier und Demokraten. Deutschland ist zur Fassade verkommen, dahinter verbergen sich nur weiß strahlende, ökonomisch-ökologisch effiziente Räume.
Das Alte und das Schöne werden auf dem Altar der »Buntheit« und »Vielfalt« geopfert. Die progressiven Kulturrevolutionäre und Bilderstürmer unterliegen dem Zwang, ohne Unterlass die Vergangenheit umzuformen, umzuschreiben, umzudeuten. Das Alte darf nicht »das Alte« bleiben, es muss eingeordnet und angepasst werden. Alles untersteht dem »Primat der Diversität«. Das fängt bei Architektur und Kunst an und hört bei Sprache, Historie und Politik auf.
Jeder Vorstoß, ein gewisses Maß an Schönheit wiederherzustellen, wird mit dem Vorwurf des »Rechtsextremismus« und der »Reaktion« niedergeschmettert. Und sollte es wie durch ein Wunder entgegen allen Widerständen doch einmal gelingen, nun – dann kümmern sich rote Möchtegern-Stadtguerillas drum. Schöne Architektur darf nicht existieren; schöne Menschen schon gar nicht.
Wenn mich ein Fremder fragen würde, »was« Deutschland sei – was sollte ich da antworten? Selbstverständlich könnte ich auf Goethe, Schiller, Kleist, Beethoven, Hegel, Humboldt, von der Vogelweide, Kant, Hölderlin, Fichte, Marx, Engels, George, Wagner, Nietzsche, Mann, Kästner, Jünger verweisen. Oder auch auf Preußen, auf Bayern, das Rheinland, den Norden. Auf Trachten und Pickelhauben. Auf die Germanen. Auf Wotan, Thor und Frey. Auf die germanischen Völker. Auf Friedrich II., den Stauferkaiser und Barbarossa. Sogar auf Hitler, auf abscheulichen Rassen- und Weltmachtwahn. Aber all das erklärt nur, was Deutschland »war«, und nicht, was es »ist«. All das ist Geschichte. Was sind wir nun? Ein amerikanisiertes-verwestlichtes Volk ohne Identität. Ohne Ziel. Ohne Mission. Ein lustloses Abbild von etwas, was mal war.
Wir Deutschen können mit unserer eigenen Kultur nichts mehr anfangen, sie ist uns fremd geworden. Schöne Architektur, schöne Literatur, Theater, Lichtspielhaus, Opern, epische Werke – wir betrachten sie wie die barbarischen Urmenschen den schwarzen Monolithen. Ein Goethe, ein Schiller, ein Hölderlin, ein Hesse, ein Klee, ein Dix, ein Jünger, ein Kafka, ein von Kleist wären in dieser trostlosen Landschaft nichts als Verschwendung. Ihre Werke vorzulesen, ihre Kunstwerke zu präsentieren wären reine Farce. Das Rufen des Vorlesers würde im Nichts verhallen. Die begnadeten Künstler unserer Kultur würden wie antike Statuen in einem Meer aus Fäkalien hervorstechen.
Ich bezweifle die Effektivität einer parteipolitisch »patriotischen Wende« (falls sie überhaupt jemals kommen sollte). Die Parteien, die sich einem wie auch immer gearteten »Patriotismus« verschrieben haben, verkaufen nur dasselbe Müllprodukt unter anderer Fahne. »Es geht weiter wie gewohnt – aber wenigstens kommt das mikroplastikverseuchte und mit Medikamenten vollgepackte Schweineschnitzel aus deutschen Gigamastbetrieben.« An den heiligen Säulen des Hedonismus und Materialismus wird nicht gerüttelt! Schließlich sind das unsere Werte und die müssen wir verteidigen! Mich widern viele derjenigen an, die unter dem Deckmantel eines heutigen „Patriotismus“ agieren – pietätslos, arrogant, kurzsichtig, materialistisch, beschränkt. Nach oben gucken, nach unten treten lautet bei diesen Menschen die Devise!
Für eine wahre politische Wende braucht es auch eine geistige Wende. Und von der sind wir noch Meilen entfernt. Zu sehr sind wir noch der amerikanischen Sphäre verfangen, zu tief stecken wir noch im Morast des Materialismus und Hedonismus. Und wenn wir nicht gerade die USA verherrlichen, dann ist es das verkrustete Pseudo-Sowjet-Zarenreich Russland – oder irgendein anderer Hegemon. Für eine echte geistige und politische Wende sind weder die beschränkten Idioten von rechts, noch die hysterischen Dauerempörer von links zu gebrauchen.
Lasst uns nochmal von vorne anfangen. Lasst uns im Kleinen und Geheimen agieren. Gründen wir Dichterkreise und Ritterorden – erbaut nicht auf Brutalität, Grausamkeit und Egoismus, sondern auf gemeinsamer brüderlicher Liebe. Ziehen wir uns an heilige Orte zurück. Bereiten wir den Boden für eine neue Saat vor. Lassen wir die Letzten Menschen, letzte Menschen sein.
Eine Synthese aus Moderne und Anti-Moderne, aus Reaktion und Fortschritt, aus Gegenwart und Vergangenheit ist in meinen Augen sinnvoll. Ich wünsche mir eine Welt, in der Fabriken wie Kathedralen aussehen. Ein Netzwerk aus Ritterorden, die in Burgen und Festungen leben und alte Feste und Bräuche feiern. Eine Fusion aus Mönch und Krieger, die an den göttlichen Willen glaubt. Ich wünsche mir hingebungsvolle Menschen, die sich einer Sache zu hundert Prozent verschreiben. Dichter und Poeten, die das Schwert schwingen können. Soldaten, die Gedichte und Epen schreiben. Großartige, heldenhafte Menschen, die selbstlos handeln; die tatsächlich in der Lage sind, die Schwachen und Hilflosen zu schützen; die Dinge aufbauen können, die Bestand haben. Vergangenheit und Gegenwart müssen sich die Hand reichen. Eine futuristische Welt mit archaischen Werten ist mein Traum.
In den Trümmern dieses Schatten, den wir »Deutschland« nennen, soll ein Orden aus geistigen Deutschen gedeihen und aus ihrer Mitte wird ein neues Deutschland erwachsen. Ein Deutschland, was es verdient, Deutschland genannt zu werden. Wir selbst werden es nicht mehr erleben, dazu sind wir zu sehr dem Hier und Jetzt verfangen. »Geschlagen ziehen wir nach Haus/Unsere Enkel fechtens besser aus« – in jedem Untergang steckt das Potenzial für eine Wiedergeburt.