Le Martyre de saint Sebastien

Vous vous imaginez mon étonnement, lorsque je reçois une lettre de Vollmoeller, qui s’était croisée avec la mienne et qui propose pour la répartition de cet argent le mode suivant : Les 500 M à conto tantièmes théâtre sont réclamés par Vollmoeller seul, les 400 Marks à conto livre partagés entre moi et Vollmoeller. De vous il n’était pas même question, car il prétendait dans une lettre à Reiss que vous vous contentiez des comptes annuels. Donc : Vollmoeller 700 Marks, Schneeli 200 M., d’Annunzio rien du tout.

Dieses in französischen Versen verfaßte Theaterstück wurde im Briefwechsel am 24. Mai 1911 zum ersten Mal von Vollmoeller erwähnt, drei Tage nach dessen Erstaufführung am 21. Mai am Théâtre Châtelet in Paris:

Rallegromi vittoria dicami intenzioni riguardo Germania.

Kurz darauf erkundigte sich Vollmoeller aus Castello bei Florenz erneut bei D’Annunzio, wie er zu einer eventuellen Übersetzung und Veröffentlichung von Le Martyre de Saint Sébastien in Deutschland stünde. In seinem Brief berief er sich auf den Insel Verlag, der daran interessiert sei, das Werk zu veröffentlichen. Er verwies auf seine Kontakte zu Reinhardt, die für D’Annunzios Stücke wichtig sein konnten, und auf die Aktualität des Saint Sébastien, da es in großen Theatern unter Mitwirkung von Musik und vielen Statisten aufgeführt werden konnte. Wie das jüngste Werk Vollmoellers, Das Mirakel, so spielte auch D’Annunzios Drama im Mittelalter, sprach christliche Gefühle an und versprach dadurch auf die Zuschauermasse größeren Einfluss auszuüben als die griechische Tragödie. Der Erfolg von Mirakel in der Olympia-Hall in London 1912 bestätigte diese Annahme.

Mio caro amico,
Le telegrafai nei giorni della sua première al teatro Châtelet domandandola quali erano le sue intenzioni pel S.Sebastiano in Germania. Sono restato finora senza risposta e comincio per credere che il mio telegramma non sia giunto nelle sue mani. Il suo fedele Rocco che vidi ieri per un momento a Settignano (o triste commedia) mi diede il suo attuale indirizzo di Versailles e mi affretto di ripetere la mia domanda. Lo faccio con tale insistenza perché l’Insel-verlag col quale ci lega un contratto commune mi tempesta di domande e perché lo vorrei almeno contentare con una notizia autentica alla quale lui ha tutto il diritto.
Leggo sui giornali che esiste il progetto di una tournée in Germania con recite del lavoro suo in lingua francese. Se lei per questa od una qualsiasi ragione non desiderasse la pubblicazione del S.Sebastiano in Tedesco me lo dica, prego, e sia convinto che i suoi desideri saranno rispettati nel modo più amichevole. Ma mi dica qualche cosa, ch’io possa riferire all’editore, che diventa impaziente. L’Inselverlag si è dato finora le più grande premure nei rapporti con noi e non vorrei scontentarlo per un semplice manco di forma.
Nel caso che lei avesse delle proposte concrete da parte dello Strakosch pel S.Sebastiano in Germania (anche se implicassero che la traduzione venga fatta da un altro anziché da me) me ne tenga al corrente e mi creda che farò del tutto per esserla utile. Abbiamo in Germania ora la grande vogue delle rappresentazioni grandiosi nei „Circus“ e non escludo che ciò potrebbe riuscire utile anche per l’opera sua. Vedrò Reinhardt a Monaco nel mese prossimo ed avrei occasione di interessarlo (cominceremo allora le prove per l’Orestia di Aischylos nella mia nuova versione tedesca che si farà poi in tutti i „Circus“ della Germania) tanto più che lui va pazzo per la musica di Debussy. Intanto – incredibile ma vero – non sono ancora riuscito di procurarmi una copia del testo completo francese. Il mio libraio mi disse che è esaurito. E non vorrei prevenire la mia impressione leggendo prima la versione italiana che è uscita in questi giorni e che comprai ieri.

D’Annunzio telegraphierte seine positive Zusage:

Ai envoye insel verlag deux exemplaires pour vous j envoie un autre a castello il faut traduire sans retard abandonne strakosch recevrez longue lettre vous embrasse Annunzio

Aus der Korrespondenz mit dem Insel Verlag ließ sich hingegen keineswegs auf ein besonderes Interesse seitens des Verlages schließen. Der erste diesbezügliche Brief war nämlich jener von Vollmoeller, in welchem er Auskunft über die beiden von D’Annunzio übersandten Exemplare des Saint Sébastien wünschte und sich nach den Plänen des Verlegers erkundigte.

Ich habe meinerseits das Buch noch nicht gelesen und bin auch über die Art des Pariser Erfolgs nicht orientiert. Da das Werk in französischer Sprache geschrieben ist, so können sie sich ja selbst ein Urteil bilden.

Nach kurzer Überlegung retournierte Kippenberg ein Exemplar an Vollmoeller und nahm aus wirtschaftlichen und inhaltlichen Gründen von einer Veröffentlichung Abstand.

Ich bin gestern von einer 5 wöchigen Reise nach Paris zurückgekommen und habe die beiden Exemplare des S.Seb, die D’Annunzio gesandt hat, vorgefunden. Eines davon, das für Sie bestimmt war, habe ich schon gestern an Sie weiter gehen lassen. Ich glaube nicht, dass wir gut daran tun, das Optionrecht auf das Buch auszuüben. Ich habe in Paris die Aufführung gesehen; sie war glänzend und hatte in gewisser Art auch einen Erfolg, der freilich mehr ein gemachter Sensationserfolg war und nicht dem Stück, sondern der Inszenierung, den Mitwirkenden und vielleicht auch der Musik galt. Das Drama selbst ist ausserordentlich langweilig, und da das Schiff und die Phädra auch nicht den allergeringsten Erfolg gehabt und uns einen noch vielen Tausenden zählenden Verlust gebracht haben, so werden Sie es gewiss verstehen, wenn ich diesen Verlust durch den Seb. nicht noch vermehre. Ich bin überzeugt, dass Sie nach Lektüre dieses Buches zu der gleichen Meinung kommen werden. Man würde wohl am besten D’Annunzio so die Entschließung mitteilen, dass man sagt, man hält das Stück für die Deutschen nicht für geeignet…

Da Vollmoeller sehr beschäftigt war, ersuchte er Kippenberg, D’Annunzio diese Entscheidung selbst mitzuteilen. Aber zwei Tage später änderte Kippenberg unerwarteterweise seine Meinung und wandte sich an Vollmoeller, um die weitere Vorgangsweise zu beraten. Dieser hatte mittlerweile bereits mit Fischer Kontakt aufgenommen und empfahl Kippenberg, den nächsten Roman abzuwarten, da ihm bereits durch Das Schiff und Phädra empfindliche Verluste entstanden seien. Bei dieser Gelegenheit erwähnte er auch, daß D’Annunzio es vorzöge, wenn er selber den Saint Sébastien übersetze.

Ich hatte sofort nach Erhalt Ihres Schreibens vom 15. an D’Annunzio geschrieben, dass Sie auf den S.Sebastian aus den in Ihrem Schreiben selbst angedeuteten Gründen verzichten und mir Instruction geben. Ich selbst werde mich so schwer es mir fällt der Übertragung nicht entziehen können. D’Annunzio ist durch die Übertragung der Phädra durch Binding etwas verstimmt und ich möchte ihn schon aus Gründen der Freundschaft nicht fallen lassen. Nun stellen Sie mir in Ihrem Schreiben vom 22. eine richtige Gewissensfrage. Ich gestehe, dass es mir sehr schwer scheint darauf zu antworten. Meinen persönlichen Standpunkt als Freund und Übersetzer habe ich Ihnen schon angedeutet. Aber Ihr Standpunkt ist doch wesentlich anders.
Ich habe mir selbst schon Vorwürfe darüber gemacht, dass der Inselverlag bis jetzt an der Aquisition D’Annunzios Geld verliert. Mit dem Sebastian wird es nicht anders sein als mit der Nave. Kommt es zu einer Aufführung (und die ist nur durch Reinhardt möglich) so ist alles gut. Kommt es nicht dazu ist das Buch genau so tot, wie die anderen Dramen. Das Werk selber ist mir sehr sympathisch, abgesehen von der bei D’Annunzio nun einmal unvermeidlichen Länge und wenn ich es übersetze werde ich etwas Gutes machen. Aber von einem Geschäft kann ausser durch Aufführung keine Rede sein.
Ich schreibe nun gleichzeitig an D’Annunzio. Hat er schon etwas unternommen (ich nehme an, er wird sich zunächst an Fischer wenden), so würde ich Ihnen raten der Sache ihren Lauf zu lassen. Ich würde schon aus persönlichen Gründen die in Ihrem Brief vom 15. nun einmal kategorisch erklärte Ablehnung nicht ohne weiteres revozieren. Hat er noch nichts unternommen, so können wir uns in München persönlich darüber unterhalten, ob die Sache für Sie Convenienz bietet oder nicht, und ich finde dann eine Form, um D’Annunzio den Umschlag zu erklären. Ich würde für Ihren Verlag kein Unglück darin sehen, wenn der S.Seb. bei einem anderen Verleger herauskommt. Hauptsache ist, dass sie den nächsten Roman erhalten und dazu haben sie ja die Option.

Nicht ganz einsichtig ist das Verhalten Vollmoellers in dieser schwierigen Situation. Einerseits täuschte er Bedenken und Sorge für den Verlag vor und empfahl, auf einen Roman zu warten, obwohl bekannt war, daß D’Annunzio oft Werke angekündigt und nie geschrieben hatte. Anderseits kamen ein finanzielles Interesse an der Übersetzung und die Spekulation auf eine Aufführung durch Reinhardt ins Spiel.Wie die Dinge tatsächlich lagen, zeigt der Umstand, daß mit Fischer bald ein Vertrag verfaßt wurde, der mit 30. Juni 1911 datiert und mit den Unterschriften Vollmoellers und Fischers versehen war.In Paragraph eins treten D’Annunzio und Vollmoeller die Veröffentlichungsrechte an den S. Fischer Verlag ab.
In Paragraph zwei wird das Honorar festgesetzt: 20 % des Ladenpreises für den gehefteten Band, zahlbar im September jeden Jahres. Autor und Übersetzer erhalten je 10 % für die erste Auflage bei deren Erscheinen im Voraus und in bar. Vollmoeller erhält bei Ablieferung des Manuskriptes als Anzahlung auf seinen Anteil ein Übersetzungshonorar von 1200 Mark.
Paragraph drei regelt die Auflagenhöhe: 1000 Exemplare plus 150 freie Rezensionsexemplare.
In Paragraph vier werden dem S. Fischer Verlag die Aufführungsrechte des Dramas abgetreten. Der Verlag verpflichtet sich, das übersetzte Werk an die deutschen Bühnen zu senden, die Tantiemen einzufordern und jedem, Autor und Übersetzer, die Hälfte (10 %) zu überlassen. Als Provision wird vom Verlag 10 % der Tantiemen einbehalten, die zwischen Autor und Übersetzer aufzuteilen waren.In einem Begleitbrief zum Vertrag äußerte Vollmoeller nochmals den Wunsch nach einer Inszenierung des Dramas durch Reinhardt.

Mio caro amico,
Ecco i contratti pel S.Sebastiano. Le condizioni sono identiche a quelle dei contratti anteriori coll’Inselverlag. La prego caldamente di rimandarmi le due copie destinate per me e Fischer colla sua firma.
Il conte Kessler (che Lei certo conosce) scrisse in questi giorni a Reinhardt per interessarLo dell’opera. Io stesso ebbi occasione di parlargliene ieri. Credo che qualche cosa si farà. Ho delle trattative con Berlin per la Francesca. Spero. Speriamo…

Während der Verhandlungen wandte sich Gustav Schneeli mit der Frage an Vollmoeller, ob dieser sein Optionsrecht auf das Werk Saint Sébastien wahrzunehmen beabsichtige.

Von Calmann-Lévy hatte ich erfahren, allerdings indirekt, dass das Übersetzungsrecht für D’Annunzios St.Sebastian noch nicht vergeben sei. Seither hat mir aber der Inselverlag mitgeteilt, dass Sie es bereits von D’Annunzio erworben haben. Sollten Sie nun nicht die Absicht oder den Wunsch haben, diese Übersetzung selber zu machen und das Recht deshalb irgendwie abtreten wollen, so wäre ich gerne bereit, es in diesem Fall von Ihnen zu erwerben…

Vollmoeller, der über die Aussicht auf einen Mitarbeiter sehr erfreut war, ersuchte Schneeli, Übersetzungsproben zu senden, da er selber D’Annunzio gegenüber Rechenschaft ablegen müsse. Schneeli stimmte zu, und da er weder als Übersetzer noch als Schriftsteller bekannt war, konnte die Zusammenarbeit mit Vollmoeller für ihn nur von Vorteil sein.

Ich finde es selbstverständlich, dass Sie Proben der Übersetzung erst einsehen wollen, da Sie dem Autor gegenüber dafür verantwortlich sind … Falls diese Probe Ihre Zustimmung erhält, wird es Ihnen wohl auch möglich sein, Autor und Verleger zur Annahme zu bestimmen…

In ihrem weiteren Briefwechsel wurden Übersetzungsprobleme erörtert: Schneeli bevorzugte eine Übersetzung in Versform, die zwar dem Original entspräche, jedoch sehr arbeitsintensiv wäre.

Ich verhehle mir die Schwierigkeit der Arbeit nicht, besonders da ich mir eine Übersetzung in Versen vorgenommen habe, die besonders für die Rythmen etc. sehr schwer ist. Dennoch hoffe ich, bis Ende August so weit zu sein…

Wiederholt unterbreitete er Übersetzungsvorschläge und bat Vollmoeller um Rat. Aufgabe Vollmoellers war es, Kontakte mit Verlegern und Autor zu knüpfen.

Ich wäre Ihnen überhaupt sehr dankbar, wenn Sie mir aus Ihrer grossen Erfahrung heraus einige Winke geben wollen… würden Sie vielleicht die Güte haben… das Übrige mit dem Autor u. dem Verleger in die Wege zu leiten.

Ende August trafen sie einander in München zu einer ersten Überarbeitung der Übersetzung.

Ihr Vorschlag nach München zu kommen, passt mir sehr gut u. beabsichtige, Montag den 28. zu fahren…

Diese Begegnung und die Zusammenarbeit schienen für beide Teile zufriedenstellend verlaufen zu sein. Im September sandte Schneeli Vollmoeller ein Dankschreiben, in dem er ihn auch ersuchte, ihm die Bekanntschaft mit Reinhardt und Fischer zu ermöglichen. Bearbeitung und Korrektur des Manuskriptes wurden fortgesetzt.

Ihre Winke waren mir sehr wertvoll u. ich glaube nun eine Lösung für den Vers gefunden zu haben … Die gleiche Strophenzahl wie das Original zu beobachten, hatte ich bis dahin nicht für nötig gehalten, da es ja nur die äusserlichste aller Anlehnungen ist; … Auch wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn es möglich wäre, dass Sie mir die Bekanntschaft mit Reinhardt u. Fischer vermitteln. Könnten Sie vielleicht einmal hier bei mir frühstücken oder zu Abend essen?

Ende September sandte Schneeli Vollmoeller das fertig korrigierte Manuskript zurück und kündigte an, daß die Arbeit Ende Oktober druckfertig sein dürfte.

[…] habe gleich die gewünschten Anmerkungen übersetzt u. lasse sie an Sie abgehen mit den Stichwörtern versehen … Wollen Sie bitte Herrn Fischer sagen, dass … mein Manuskript gut bis Ende Oktober druckfertig vorliegen könnte.

Im Oktober beabsichtigte Fischer eine Szene aus dem Saint Sébastien in einem Band, der anlässlich des fünfundzwanzigjährigen Gründungsjubiläums seines Verlages erscheinen sollte, abzudrucken. Die Zeit war sehr knapp und Vollmoeller, der mit Reinhardt auf Tournee war, wählte eine Szene aus dem ihm gerade vorliegenden Manuskript Schneelis.

So angenehm mir Ihre Mitteilung ist, für die ich sehr verpflichtet bin, so tut es mir doch leid, dass die Sache nun derart Eile hat, dass ich keine Feile mehr anlegen konnte; denn wie Sie wissen, waren die Blätter nur eine für Sie bestimmte Probe ohne jede Praetention und nach meiner Ansicht nicht druckreif. Enfin! Ich bin Ihnen jedenfalls dankbar, wenn Sie mir noch einige Korrekturen anbringen, … Ich bin ja sehr gespannt auf die Sache; ich denke sie erscheint unter meinem Name u. bitte Gustav Schneeli, nicht Dr. hinzuzusagen.

Weitere Korrekturen wurden bei einem neuerlichen Treffen in München vorgenommen. Nach Beendigung der Überarbeitung des I. und III. Aktes erbat Schneeli Mitte Oktober eine Bestätigung für seine Arbeit, da er noch keinen Vertrag unterschrieben hatte und nicht sicher war, ob D’Annunzio seine Übersetzung auch akzeptiere.Der nächste erhaltene Brief stammt vom 13. November und ist an Vollmoeller gerichtet. Im Oktober hatte Fischer Schneeli für die Übersetzung in seinem Jubiläumsband 100 Mark mit der Bitte übersandt, die Hälfte des Betrages D’Annunzio zukommen zu lassen. Schneeli sah sich außerstande dies zu tun, weshalb er die Bitte zurückwies und Fischer ersuchte, das Geld selbst zu übermitteln oder sich an Vollmoeller zu wenden.

Sie [Vollmoeller] werden einsehen, dass ich das unmöglich kann, sowie die Dinge liegen. Ich habe es deshalb abgelehnt u. Fischer ersucht, d’A.s Anteil diesem direkt oder durch Ihre Vermittlung zukommen zu lassen.

D’Annunzio wußte von all dem nichts, weder hatte er Kenntnis von der Übersetzung des Saint Sébastien durch Schneeli noch hatte er den Ende Juni abgeschlossenen Vertrag unterzeichnet. Vielleicht war er etwas verstimmt, daß im letzten Vertrag zum Drama Più che l’amore Vollmoeller das Prinzip der absoluten Gleichheit zwischen Autor und Übersetzer, auf dem ihre Zusammenarbeit beruhte, verletzt hatte. Oder er hatte, wie es im Brief vom 28. November 1911 an Vollmoeller steht, einfach nur vergessen, den Vertrag zu unterzeichnen.Als er die 50 Mark von Fischer und folgendes Telegramm erhielt,

Monsieur, l’honoraire pour la reproduction d’une scène de votre pièce San Sebastian dans notre catalogue Das XXVte Jahr se monte à Mk.100.- Selon l’information de M. Dr. Vollmoeller cette somme est à partager à moitié entre vous et M. Dr.Schneeli.

bat er Vollmoeller um Aufklärung der Situation. Vollmoeller war mit Reinhardt und seinem Ensemble wegen der Aufführung einiger seiner Dramen und Übersetzungen auf Tournee in Europa und antwortete mit einem Brief aus London, in dem er die 50 Mark zum Anlaß nahm, D’Annunzio auf eine mögliche Übersetzung in Zusammenarbeit mit Schneeli vorzubereiten. Auch diesmal stellte er die Zusammenarbeit als keineswegs beabsichtigt, sondern als Ergebnis zufälliger Umstände dar. Fischer hätte gerne eine Szene des Saint Sébastien im Jubiläumsband anlässlich des fünfundzwanzigjährigen Bestehens des S. Fischer Verlages herausgebracht und wegen der Knappheit der Zeit hätte er sich gezwungen gesehen abzulehnen. Da habe ihm Fischer eine Übersetzung vorgelegt, die ein gewisser Schneeli angefertigt und ihm angeboten hatte, eine Szene daraus zu wählen. Vollmoeller nannte Schneeli in seinem Brief „un simpatico giovane poeta svizzero … che scrive ottimi versi“, auf dessen Zusammenarbeit er Wert lege. Weiters hoffte er, D’Annunzio einen Gefallen getan zu haben, als er den Abdruck einer Szene des Dramas im Jubiläumsband des S. Fischer Verlages gestattete. Auf diesen Brief folgte keine Antwort und es trat anscheinend eine Pause im Briefwechsel zwischen Vollmoeller, D’Annunzio und Schneeli ein.Der nächste erhaltene Brief stammt vom 21. April des folgenden Jahres. Schneeli beklagte sich bei Vollmoeller, daß Fischer, nachdem er das Manuskript bereits im Dezember erhalten hatte, dieses noch nicht in Druck gegeben habe. Er verstehe den Grund für diese Verzögerung nicht. Für die Veröffentlichung des Saint Sébastien hatte Fischer ihm 20 % des Buchpreises, zwischen Autor und Übersetzer zu teilen, jedoch ohne das Vollmoeller bei früheren Übersetzungen zugestandene Akonto von 1200 Mark angeboten. Schneeli hatte diesen Bedingungen zugestimmt, da sie jenen für den Druck der Szene im Jubiläumsband entsprachen. Es fehlte nur noch die Bestätigung durch Vollmoeller und D’Annunzio.

Schon im vorigen Dezember hat Fischer von mir das Manuskript eingefordert, sodass es nun 5 Monate dort liegt. Fischer hat mir dann mitgeteilt, dass er die Übersetzung bringen will u. 20% des Ladenpreis für den Autor u. den Übersetzer zu gleichen Teilen aussetzt. Ich nahm die Bedingungen an u. es handelte sich nur noch darum von Ihnen zu erfahren, ob Ihr Pakt mit D’Annunzio dem nicht widerspreche. Ich nahm dies nicht an, da Sie auch seinerzeit vorschlugen, das Geld für den 4.Akt im Almanach zu gleichen Teilen an Autor u. Übersetzer gehen zu lassen. Fischer behauptet, Sie im Januar angefragt zu haben u. bis heute ohne Antwort geblieben zu sein. Sie verstehen, dass Sie mich dadurch in eine grosse Verlegenheit bringen, da die Übersetzung … nicht erscheinen kann.

Fast zur selben Zeit, am 24. April 1912, telegraphierte Vollmoeller aus Budapest an Heymel:

Was Teufel ist mit Christa und Schneeli los schreib mir bitte Wien Hotel Meissl Schaden Gruß Vollmoeller.

Heymel antwortet am nächsten Tag:

Ch.[rista] fond of Schnee[li] Wishes to help him in S.Seb. Affaire. Help her please Alfred.

Vollmoeller riet Schneeli, das Manuskript von Fischer zurückzuverlangen und ihm zu übersenden, was Schneeli umgehend ausführte. Bei dieser Gelegenheit äußerte er seine Zweifel an der Existenz eines Vertrages zwischen Fischer und Vollmoeller.

Was das Manuskript betrifft, so habe ich es von Fischer zurückverlangt und gegenwärtig hier. Ich werde es ihnen zugehen lassen, sobald Sie mir eine sichere Adresse angeben … Ich kann Ihnen übrigens nur wiederholen, dass mir Fischer aufs ausdrücklichste versicherte es existiere zwischen ihm u. Ihnen kein Vertrag betreffend den S. Seb. u. über einen solchen zwischen Ihnen u. d’A. sei er nicht informiert, weswegen er Sie anfragen werde…

In der Annahme, daß D’Annunzio nicht unterzeichne, da er den Übersetzer nicht kenne bzw. den Vertrag für zu wenig profitabel halte, beschloß Vollmoeller ein Treffen zwischen Schneeli, Reinhardt und D’Annunzio zu planen. Für den Fall, daß über den Vertrag kein Einverständnis erzielt werden könnte, plante er, gemeinsam mit Schneeli einen neuen Verleger zu suchen, der bereit war, günstigere Konditionen zu gewähren.In der Zwischenzeit versuchte er wiederholt, D’Annunzio zur Unterschrift des Vertrages mit Fischer zu überreden. Vielleicht dachte Vollmoeller dabei an die Schwierigkeit, eine Unterschrift D’Annunzios für einen Vertrag zu bekommen bzw. einen neuen Verleger zu einem Zeitpunkt zu finden, wo er anderweitig mit Arbeit überhäuft war. Oder er wollte Schneeli gegenüber eine rechtlich abgesicherte Verhandlungsbasis erlangen, wie er es schon mit Binding hatte.Anlässlich einer Aufführung reiste Vollmoeller in Begleitung Reinhardts nach Paris und bei dieser Gelegenheit versuchte er, die Bekanntschaft zwischen D’Annunzio und Reinhardt zu vermitteln und die offenen Fragen des Vertrages und der Übersetzung mit D’Annunzio mündlich zu klären.

Se le scrivo oggi è per dirle che sarò a Parigi con Reinhardt il 20 di questo mese. Si darà Sumurum al Vaudeville. Spero che finalmente il buon caso ci aiuterà per trovarci insieme.

Zu der Besprechung wurde auch Schneeli eingeladen, der anfangs ablehnte:

Leider ist es mir in diesen Tagen ganz unmöglich, nach Paris zu fahren, soferne ich Sie u. d’Annunzio dort treffen möchte. Sagen Sie mir bitte auf einer Karte wie lange Sie dort bleiben, … Ich habe mich gefreut aus Ihrer u. Fräulein Wunloes [?] Antwort zu hören, dass keine anderen Gründe als die von Ihnen schon voriges Jahr genannten d.h. freundschaftliche Rücksicht für d’Annunzio, eine Entscheidung verhindert haben. Ich zweifle nun nicht daran, dass d’Annunzio sich einverstanden erklären wird, da er Ihnen kaum zumuten wird, eine so langweilige Arbeit, die sich überdies materiell so schlecht lohnt, zu einem Zeitpunkt zu übernehmen, wo Sie mit Arbeit überhäuft sind, – besonders da die Arbeit von einem Andern übernommen u. zu Ende geführt ist. Was meine Arbeit betrifft, so glaube ich sie mit viel Aufmerksamkeit gemacht zu haben u. hoffe, dass sie Ihren Beifall haben wird. Es wäre mir sehr angenehm, mit Ihnen irgendwie auch den geschäftlichen Teil der Angelegenheit verhandeln zu können, wenn nicht in Paris so vielleicht anderswo.

Aber im folgenden Brief erklärte sich Schneeli bereit nach Paris zu kommen, wenn dadurch sein Ziel erreicht werden könnte.

Ich kann es nun so entscheiden, dass ich Samstag Abend hier weg fahre u. Sonntag in Paris bin, wenn Sie es wünschen. Wollen Sie mich deshalb umgehend wissen lassen, ob ich Sie u. d’Annunzio dann sicher noch treffe u. ob Sie es für notwendig u. zweckmässig halten, dass ich komme.
Da ich die Reise nur im Interesse dieser Angelegenheit mache, ist es mir natürlich sehr wichtig, zu wissen, ob Sie auch das beabsichtigte Resultat haben kann.

Aufgrund der erhaltenen Briefe, Telegramme und Tagebücher ist anzunehmen, daß Ende Mai und durch Vermittlung des Grafen Kessler das Treffen zwischen D’Annunzio und Reinhardt stattfand, und Anfang Juni jenes Dz’Annunzios mit Schneeli, da letzterer D’Annunzio zu einem gemeinsamen Abendessen mit Reinhardt und Moissi, einem guten Freund von Schneeli, einlud. Zu dieser Zeit dürfte sich Schneeli bei D’Annunzio über Vollmoeller und über die Schwierigkeiten, die Übersetzung zu veröffentlichen, beklagt haben, denn es ist ein Brief vom 7. Juni 1912 erhalten, in dem im Postskriptum Schneeli D’Annunzio eine baldige Genesung von seinen Depressionen wünschte. Es ist nicht auszuschließen, daß D’Annunzio vom Bericht Schneelis tief betroffen war. In einem Telegramm an Vollmoeller lesen wir, daß er Paris verlassen hatte:

J etais si souffrant que j ai du partir je suis encore malade espere revenir a Paris mardi prochain donnez moi nouvelles. Salutations cordiales a Schneeli = Annunzio…

Hingegen entwickelten sich die Chancen für eine Inszenierung durch Reinhardt sehr gut: Reinhardt bekundete lebhaftes Interesse am Saint Sébastien und sah in Moissi einen möglichen Interpreten des Heiligen. Auch hatte Kessler seine Hilfe bei der Phädra und für die Teilnahme Ida Rubinsteins zugesagt. Gemeinsam mit Schneeli bereitete Vollmoeller eine gekürzte Fassung des Werkes vor:

Quant au S. je viens de le dicter, avec les modifications convenues avec Vollmoeller, à la machine … il paraît qu’il faudra encore attendre longtemps l’édition imprimée…

und verfolgte seine Bemühungen um einen Vertrag mit D’Annunzio weiter:

E’ necessario che Lei mi mandi i contratti con Fischer perché lui possa cercare di concludere con Reinhardt. Che ha visto ancora Max Reinhardt a Parigi? Le telegrafai domenica al Meurice avvisandola del suo arrivo. Ma forse che lei era già ad Arcachon.

Im gleichen Brief kündigte Vollmoeller seine Ankunft in Frankreich für August an, und diesmal dürfte D’Annunzio den Vertrag mit Fischer unterzeichnet haben, vielleicht weil er Reinhardt kennengelernt, die Verhandlungen bezüglich einer Aufführung des Saint Sébastien begonnen hatten und Vollmoeller die geeignetste Person war, die Angelegenheit zu Ende zu führen, wie es aus einem Brief vom August hervorgeht.

… non aspetta Reinhardt a Parigi? Insista pel San Sebastiano e cerchi di sapere le sue intenzioni sincere riguardo all’Edipo…

Vielleicht gelang es auch D’Annunzio auf Dauer nicht, dem Drängen Vollmoellers zu widerstehen.Zu diesem Zeitpunkt kam es aber zu einer Verwirrung der Situation. Im August hatte D’Annunzio den Vertrag mit Vollmoeller und Fischer unterzeichnet. Am 2. September teilte Schneeli D’Annunzio mit, daß Vollmoeller beabsichtige, einen anderen Verleger zu finden. Anscheinend war Schneeli noch immer überzeugt, daß es keinen Vertrag zwischen Vollmoeller und D’Annunzio gebe, obwohl er sich tags zuvor, am 1. September, mit Vollmoeller getroffen hatte. Entweder hatte dieser die Unterzeichnung des Vertrages durch D’Annunzio verschwiegen, oder Schneeli hatte ihm einfach nicht geglaubt.

Vollmoeller a été ici [München] hier afin de me mettre au courant de l’affaire du Saint Sébastien dont j’avais été tenu dans la plus parfaite ignorance depuis mon départ de Paris. Vous connaissez la brouille entre Vollmoeller et Fischer; je la regrette mais n’y peux rien, parce que je dois laisser agir Vollmoeller comme bon lui semble. J’espère cependant que cela ne sera pas si grave, car Vollmoeller croit avoir trouvé un éditeur qui vaudrait encore mieux, surtout pour faire les contrats avec les théâtres. Fischer certainement a été peu affable. Je me suis donné rendez-vous avec Vollmoeller à Vienne pour la semaine prochaine, où je verrai Reinhardt et tâcherai d’obtenir finalement quelque chose de décisif quant à la représentation du Saint à Berlin. Soyez convaincu que je ferai tout ce qui est dans mon pouvoir pour défendre vos intérêts…

Unklar ist, was Schneeli im Brief mit der brouille zwischen Fischer und Vollmoeller meinte, da die Briefe auf keine besonderen Meinungsverschiedenheiten verweisen. Der vertrauliche Ton Schneelis erklärt sich daraus, daß D’Annunzio ihm einen Vertrag vorgeschlagen hatte. Für D’Annunzio wäre ein Vertrag mit Schneeli günstiger gewesen, denn dieser war bereit, Bedingungen zu akzeptieren, die dem Autor 60 % der Einnahmen garantierten.In der Annahme, daß kein weiterer Vertrag bestehe, versuchte Schneeli die Situation in Eigeninitiative zu lösen. Einem alten Rat Vollmoellers folgend, wandte er sich an Erich Reiss, einen jungen Verleger und guten Freund Reinhardts und dessen Bruder Edmund, Direktor des Deutschen Theaters in Berlin. Diese Freundschaft stellte weitere Fortschritte in Aussicht, weil man in Reinhardts unmittelbare Nähe kam, und überdies verließ man sich auf Ähnlichkeiten in den Theaterauffassungen Reinhardts und D’Annunzios, auf die bereits 1908 Theaterkritiker hingewiesen hatten.Reiss war bereit, einen Vertrag abzuschließen, der Schneeli viel günstiger schien als der von Fischer angebotene. Er unterzeichnete ihn und überging dabei Vollmoeller.

Me voilà arrivé à une solution de la question de St.Sébastien qui vous sera agréable, j’espère. Comme vous savez, Fischer n’a pas voulu payer un sou, de sorte que Vollmoeller m’a proposé de traiter avec l’éditeur Reiss, qui est ami intime de Reinhardt et qui, par conséquent, sera très utile pour traiter avec lui. C’est Reiss avec qui je viens de signer un contrat qui est très avantageux…

Nun bestanden zwei Verträge, einer mit den Unterschriften von D’Annunzio, Vollmoeller und Fischer sowie einer zwischen Reiss und Schneeli mit der Genehmigung D’Annunzios.

Merci de votre télégramme qui me dit que vous approuvez mon contrat avec Reiss…

Bei seiner Rückkehr von einer Auslandstournee telegraphierte Vollmoeller verwundert an D’Annunzio um genauere Informationen:

Schneeli firmò contratto Reiss. Fischer saputolo rifiuta scindere vecchio contratto nostro visto indelicatezza imprudenza Schneeli resistenza Fischer. Tradurrò Sebastiano da me solo. Schneeli Reiss pretendono avere sua autorizzazione come possibile telegrafi prego a Vollmoeller Deutsches Theater.

Kurz darauf versuchte er in Paris eine Aussprache herbeizuführen, aber D’Annunzio erschien nicht, worauf Vollmoeller nach London zurückkehrte, um seine Tournee fortzusetzen. Von Graf Kessler, der ihm nachfolgte, um mit Reinhardt und ihm über die Aufführung der Phädra zu sprechen, erfuhr er vom plötzlichen Sinneswandel Reinhardts, der weder die Phädra noch den Saint Sébastien zu inszenieren beabsichtigte. Somit verlor D’Annunzio eine wichtige Möglichkeit zur Verbreitung seiner Theaterstücke bzw. seiner Werke im Allgemeinen in Europa.Das Verhalten D’Annunzios wird durch einen Brief Schneelis an ihn verständlich, in welchem jener Vollmoeller beschuldigt, das Werk D’Annunzios zu seinem eigenen Vorteil auszunützen und das Geld von Reiss für sich alleine behalten zu wollen.

[…] j’ai été obligé de faire suspendre ce payement après avoir reçu une lettre de Vollmoeller, qui provoque des controverses quant à la répartition de cet argent.
Selon notre entente de Paris j’allais donc répartir la somme versée par Reiss (900 M) de la façon suivante: D’Annunzio 450 M. Vollmoeller 225 M. Schneeli 225 M. En même temps qu’à vous je l’annonçais à Vollmoeller. Vous vous imaginez mon étonnement, lorsque je reçois une lettre de Vollmoeller, qui s’était croisée avec la mienne et qui propose pour la répartition de cet argent le mode suivant: Les 500 M à conto tantièmes théâtre sont réclamés par Vollmoeller seul, les 400 Marks à conto livre partagés entre moi et Vollmoeller. De vous il n’était pas même question, car il prétendait dans une lettre à Reiss que vous vous contentiez des comptes annuels. Donc: Vollmoeller 700 Marks, Schneeli 200 M., d’Annunzio rien du tout. Naturellement V. voit que son coup a raté parce que j’ai déjà signé le contrat avec Reiss, il est en rage et prétend que mon contrat n’est pas valable parce qu’il en existe un autre entre vous, Fischer et lui et que Fischer (qui m’avait refusé à plusieurs reprises de prendre S.Sébastien et qui savait que j’allais prendre un autre éditeur) veut faire valoir maintenant son contrat pour rendre invalide le mien avec Reiss. Je n’en crois pas un mot et crois que c’est un nouveau bluff de Vollmoeller, et j’ai demandé de suite des explications à Fischer. Or, le plus important est de savoir s’il existe vraiment ce contrat. Fischer me l’a nié, vous l’avez nié aussi quand je vous ai parlé à Paris et il n’y a que V. qui s’y appuie tout le temps. Vous m’avez même proposé à Paris de faire un contrat avec moi en écartant Vollmoeller (à la base de 60 et 40%) Je vous l’ai déconseillé alors, voulant ménager Vollmoeller, qui devait nous rendre des services auprès de Reinhardt.
Vollmoeller même m’a avoué que ce contrat n’a pas été signé ce printemps. Mais auriez-vous eu l’imprudence de le signer encore au mois d’août lors de la visite de Vollmoeller à Paris? Veuillez me télégraphier à ce sujet, je vous prie.
I Si ce contrat est signé ou non.
II Si vous admettez la répartition proposée par Vollmoeller et que vous entendez renoncer à ce qui vous est dû en faveur de Vollmoeller. Alors, naturellement, je suis d’accord et je reconnais les prétentions de Vollmoeller. Mais je vous répète qu’elles m’indignent et que, au cas où vous n’avez pas signé ce contrat ni reconnu ce qu’il exige, je trouve que nous n’avons plus aucune raison pour le ménager et je serais même disposé de faire le nouveau contrat que vous m’avez proposé au printemps. En ce cas je viendrais à Paris. Veuillez donc aussi me télégraphier si vous m’attendez ou non.
Je suis désolé que cette affaire qui se liquidait à merveille, ait de nouveau été embrouillée par Vollmoeller. Je compte avoir votre réponse de suite et vous prie, cher Monsieur, d’agréer l’expression de mes sentiments très dévoués…

Sicher ist, daß Vollmoeller nie auf einen für den Übersetzer so ungünstigen Vertrag eingegangen wäre, wie ihn Schneeli akzeptiert hatte. Vollmoeller hatte immer einen festgelegten Betrag für die Übersetzungsarbeit verlangt und sich nie mit dem Prozentanteil des tatsächlichen Verkaufs eines Werkes begnügt; dafür engagierte er sich völlig für den Vertrieb der Werke, sei es bei Zeitungen, sei es bei Theatern.Als Schneeli von der Existenz eines Vertrages mit Fischer erfuhr, konnte er auch nicht begreifen, wie D’Annunzio einen solchen Vertrag trotz der Zweifel und der ihm schon im Frühjahr mitgeteilten Informationen doch noch unterzeichnen konnte. Nach Konsultation einiger Rechtsanwälte und deren Versicherung über den positiven Ausgang eines eventuellen Prozesses erklärte er sich bereit vor Gericht zu gehen, um seine und D’Annunzios Rechte zu wahren. Aus den Argumentationen Schneelis läßt sich eine starke Abneigung gegen Vollmoeller ablesen, da er in ihm den Verursacher aller Schwierigkeiten sah.

La conduite de Fischer et de Vollmoeller est tellement effrontée que je suis décidé à ne plus céder en rien. Les avocats disent que ma position est inattaquable.
Je regrette ce contretemps pour vous plus que pour moi, car Vollmoeller avait eu l’air d’être votre ami. Mais s’il ne reconnaît pas son tort et prend des allures bien différentes, il n’y aura plus que le tribunal, qui décidera entre nous.

In diesem Zusammenhang sind die Argumentationen der Rechtsanwälte Schneelis von Interesse, denn es handelte sich um die Durchsetzung eines nicht von D’Annunzio unterzeichneten, sondern von ihm im Oktober 1912 genehmigten Vertrages, der einem im Juni des vorangegangenen Jahres verfaßten und im August 1912 vom Dichter unterzeichneten Vertrag gegenüberstand. Die Argumentation der Rechtsanwälte war folgende: Da Vollmoeller wußte, daß D’Annunzio sich im Frühjahr mit der Veröffentlichung der Übersetzung Schneelis einverstanden erklärt hatte, könne sich der nachträglich unterzeichnete Vertrag nur auf Werke beziehen, deren Rechte noch nicht vergeben waren, nicht aber auf das gegenständliche, weil der Dichter die Rechte am Saint Sébastien bereits im Juni 1912 während eines Treffens mündlich an Schneeli vergeben hätte – eine Behauptung, die für uns unbelegbar ist.Nach vergeblichen Anstrengungen, Schneeli von der Notwendigkeit einer Auflösung seines Vertrages mit Reiss zu überzeugen, erklärte sich auch Fischer bereit, vor Gericht zu gehen, da er, abgesehen von den Rechtsstreitigkeiten der beiden Übersetzer, Rechte auf das Werk besaß.Aus dem Briefwechsel läßt sich folgendes Verhalten Fischers rekonstruieren: Er hatte Schneeli gegenüber immer wieder die Existenz eines Vertrages geleugnet, was bis Ende August 1912 der Wahrheit beinahe entsprach. Er leugnete den Vertrag auch weiterhin, bis er ihn im Oktober Schneeli zeigte, nachdem dieser einen Vertrag mit Reiss abgeschlossen hatte. Welche Überlegungen ihn zu diesem Verhalten bewogen hatten, konnte nicht mit Klarheit festgestellt werden. Entweder wartete er die Klärung der Verhältnisse zwischen den Übersetzern ab, oder er bevorzugte persönlich eine Zusammenarbeit mit Vollmoeller.Nach Meinung Schneelis war die zweite der beiden Annahmen zutreffend:

Cependant M. Fischer, qui regrette aussi post festum de ne pas avoir mieux accueilli St. Sébastien, lui vient en aide en me donnant le conseil de casser le contrat avec Reiss…

Auf jeden Fall verteidigte Fischer zu diesem Zeitpunkt seine eigenen Rechte auf das Werk und konnte sich dabei auf einen vom Autor unterzeichneten Vertrag berufen.Im November teilte Vollmoeller D’Annunzio mit, daß er nicht mehr mit Schneeli zusammenarbeiten wolle und beschuldigte diesen, ohne sein Wissen und ohne ihm die Möglichkeit zu gewähren, den Vertrag mit Fischer zu lösen, einen Vertrag mit Reiss abgeschlossen zu haben. Er nannte keinen Grund für die Unstimmigkeiten und bezichtigte Reiss als Initiator der ganzen Angelegenheit.Am 26. November begann der Prozeß zwischen Fischer und Reiss. Im Dezember trafen D’Annunzio und Vollmoeller einander in Paris, um eine Lösung zu suchen. Vollmoeller wollte aus dem Rechtsstreit aussteigen und wünschte einen Kompromiß. Er fand ihn in dem Versprechen D’Annunzios, ihm das Recht auf die Übersetzung des neuen Romans L’Uomo che rubò la Gioconda, den er zu schreiben beabsichtigte, zu übertragen.Auch Schneeli und D’Annunzio trafen einander, aber über ihre Abmachungen ist nichts bekannt. Der Prozeß verkomplizierte sich für Fischer, da D’Annunzio, vielleicht in der Hoffnung die Dinge zu klären, vielleicht auch weil er sich darüber mit Schneeli geeinigt hatte, an Reiss einen uns nicht erhaltenen Brief schrieb, der dem Verleger als Beweis gegen Fischer diente. Von der Existenz dieses Briefes wissen wir durch einen Entwurf zum Telegramm von Vollmoeller an D’Annunzio, datiert mit 6. Februar 1913. Auf der Vorderseite informierte Vollmoeller D’Annunzio über den Fortgang des Prozesses, während auf der Hinterseite, und später gestrichen, der Tausch als Zeichen der Wiedergutmachung des moralischen und ökonomischen Schadens und als Freundschaftsbeweis vorgeschlagen wurde.

Annunzio Arcachon. tornato orora Berlin Reiss valendosi vostra lettera poco opportuna mostrasi intransigente spero pero accomodamento trovai qui costellazione felice per vostro progettato romanzo Gioconda credo potere ottenere contratto cinquanta sessantamila dietro lettura prime trenta pagine se vostro lavoro permettevi cogliere questa fortunata occasione telegrafatemi formale autorizzazione trattare anche termine approssimativo entro quale potrei promettere primi capitoli cordialmente. Vollmoeller Deutsches Theater.

Der Prozeß erregte großes Aufsehen in literarischen Kreisen. Binding, immer voller Teilnahme für die Geschichten Vollmoellers, kommentierte in einem Schreiben an Heymel:

Vollmoeller war zwei Tage hier. Sie wissen ja, weswegen. Seine Chancen sind wohl gering. Man hat hier nicht das Wissen davon, daß gerade dieser Fall nur durch eine Persönlichkeit zu lösen ist. Ich predige das freilich so gut ich kann; aber ich habe nie Einfluß hier gesucht und habe also keinen. Die Leute stellen sich so an, wie welche, die einen Augiasstall haben, überzeugt sind, daß er gereinigt werden müsse, und sich zu diesem Zweck nach einem gediegenen Stallschweizer umsehen. Aber nach einem Herkules sehen sie sich nicht um…

Ende 1913 erschien Das Martyrium des Hl. Sebastian im Erich-Reiss-Verlag. Schneeli sandte ein Exemplar an D’Annunzio und fragte, ob das Titelblatt zu seiner Zufriedenheit ausgefallen sei. Im Unterschied zu Vollmoeller engagierte er sich nicht so sehr für eine Aufführung des Werkes und legte das weitere Schicksal des Dramas in die Hände von Reiss.

J’espère que vous avez reçu le St. Sébastien et que vous êtes content de son extérieur. Quant à la représentation, je n’en ai plus eu de nouvelles depuis l’hiver dernier. Mais je suppose que Reiss, qui fait maintenant partie du Deutsches Theater, s’en occupera s’il en est question…

Das Werk dürfte in Deutschland nie aufgeführt worden sein, weder in deutscher noch in französischer Sprache, gewiß aber wurde es nie von Reinhardt inszeniert. Reiss zog sich in der Folge auch vom Vertrag für Contemplazione della morte zurück, mit dessen Übersetzung D’Annunzio Schneeli betraut hatte.Die Übersetzung ist in Versen in verschiedenen Reimschemata gehalten: Meist sind es umarmende Reime oder Kreuzreime für die Chöre und freie rhythmische Verse für die Dialoge.

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