Über das revolutionäre Potenzial von älterer Kunst

m Wesen der Kunst jedoch sollten Gefühl und Leben liegen – „Menschlichkeit“ und „Erdhaftigkeit“, wie Kai Hammermeister es in seinem neuesten Buch Die Bergung formuliert.

Es ist geradezu konservativ geworden, weiterhin moderne Kunst machen zu wollen. Die klassische Moderne ist mittlerweile über hundert Jahre alt; Motive Kandinskys, die einst revolutionär waren, gehören heute zum Standardrepertoire von Ikea-Teppichdesigns. Auch der globalisierte Bauhausstil mit seiner leichten Industriefertigung hat sich längst dem Pragmatismus und Kapitalismus unterworfen.

Was damals revolutionäre Kunst ausmachte, war der radikale Bruch mit vorherigen Konventionen: figürlich reduzierte und abstrahierte Malerei anstelle von erzählerischen Handlungen und Allegorien; schlichte, monumentale Architektur statt überladener Ornamente; abstrakte Skulpturen anstelle von Menschlichkeit und Körperlichkeit. Nach mehr als einem Jahrhundert sind diese Ausdrucksformen jedoch im Kunstbetrieb zur Selbstverständlichkeit geworden und haben weniger mit Avantgarde als mit verfestigter Wiederholung zu tun.

Ein Bauhausgebäude war einst, eingebettet in eine Umgebung neogotischer, neoromanischer, neobarocker oder neorenaissancezeitlicher Architektur, eine echte Bereicherung der Kunstlandschaft. Gleiches gilt für expressionistische und surrealistische Kunst im Vergleich zur Malerei des 19. Jahrhunderts oder des Barock. Neue Interessen, Inspirationen und soziale Umstände drängten die Künste damals zu neuen Qualitäten.

Heute jedoch hat sich dieses Verhältnis umgekehrt. Blickt man auf die gegenwärtige Kulturlandschaft von Architektur und bildender Kunst – insbesondere in Deutschland –, dominieren brutalistische Stahl-, Glas- und Betonbauten, während ältere Baustile zur Minderheit geworden sind. Parallel dazu hat sich das gesellschaftliche Verständnis von bildender Kunst zunehmend in Richtung einer amateurhaften Abstraktion und eines vereinfachten Dadaismus verschoben.

Dies liegt nicht zuletzt an der Einfachheit der Vorstellung und der Fertigung. Gebäude in schlichten Formen sind kostengünstiger zu errichten, und für abstrakte oder dadaistische Kunst ist weder ein tiefgehendes Wissen über Anatomie noch über Gegenständlichkeit, Statik oder Dynamik erforderlich.

Im Wesen der Kunst jedoch sollten Gefühl und Leben liegen – „Menschlichkeit“ und „Erdhaftigkeit“, wie Kai Hammermeister es in seinem neuesten Buch Die Bergung formuliert. Dem schließe ich mich voll und ganz an und wünsche mir eine neue Epoche, die aus der Wiederentdeckung älterer Kunstformen hervorgeht.

Der Nihilismus greift in der Postmoderne immer weiter um sich und bietet immer weniger Halt in einer Zeit, die eigentlich nach Orientierung verlangt. Gegossene Betonbunker und Bilder aus bloßen Farben und Formen verstärken diese Haltlosigkeit zusätzlich, da die Distanz zwischen Mensch und abstrakter Kunst stetig wächst. Dabei ist Kunst etwas zutiefst Menschliches – sie sollte Lebendigkeit, Gefühl und das Menschsein selbst betonen.

Kunst soll das Leben schön machen, genießbar und sanft die Kehle hinabfließen – und nicht im Halse kratzen.

Nach nun hundert Jahren ist es an der Zeit, auf revolutionäre Weise zu alten Kunstformen zurückzugreifen. Sei es zunächst durch das bewusste Erlernen und Imitieren historischer Werke, bis hin zu einer freien Vermischung im Sinne des Eklektizismus, in dem Moderne und ältere Epochen aufeinandertreffen und das Beste miteinander verbunden wird.

Das Wissen um das handwerkliche Können dieser Künste liegt uns in Städten und Museen buchstäblich zu Füßen. Wir müssen nur bereit sein, danach zu greifen und von ihnen zu lernen. So wie die Künstler der Renaissance die Antike neu entdeckten, sollten auch wir die alten Formen der Kunstgeschichte wieder ausgraben und innovativ weiterentwickeln.

Dabei können Vitruvs Lehren ebenso hilfreich sein wie Winckelmanns Betrachtungen über die antike Kunst. Die Antike war nicht ohne Grund Träger zeitloser Ideale: Ihre Formen strahlen Gefühl und menschliches Leben aus – etwas, wovon tote Betonbunker, formlose Farbfelder oder würfelförmige Skulpturen keine Vorstellung haben. Diese stumpfen ab; sie sind lebensfern, fremd und tot. Das liegt in ihrem unbelebten Wesen.

Kunst muss wieder anfangen zu leben, Gefühle zu wecken und unser Menschsein zu spiegeln. Dies geschieht vor allem durch Schönheit und überwältigende Ästhetik.

Dabei sollen die modernen Künste keineswegs verworfen werden. Vielmehr gilt es, das Beste aus ihnen zu bewahren und mit älteren Formen zu verbinden. So wie Gotik und Renaissance einst ineinandergriffen, können auch heute Stahl-, Beton- und Glasarchitektur sowie expressionistische Formen mit historischen Idealen zu etwas Höherem verschmelzen.

Es ist an der Zeit, Kunst wieder auf revolutionär fundierte Ideale zu stellen – und nicht länger auf relativistische, wackelige Holzstelzen.

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